Die einen flitzen gerne damit durch die Stadt, die anderen ärgern sich über sie: E-Roller. Die Stadt sieht jedoch keinen weiteren Handlungsbedarf, sondern appelliert an die Bürger.

 

 

Kreuz und quer, mal liegend, mal stehend, mal in der Gruppe, mal alleine – doch fast immer auf dem Gehweg: E-Roller verschiedener Anbieter bevölkern seit einem guten halben Jahr die Landeshauptstadt und auch deren größten Stadtteil Bad Cannstatt. Beitrag zum Klimaschutz? Da kann Peter Mielert, langjähriges Mitglied im Cannstatter Bezirksbeirat nur den Kopf schütteln. „Inwiefern ist der Umwelt geholfen, wenn die Leute anstatt zu Laufen, auf den Rollern fahren“, fragt er sich.

Die Zahlen geben ihm Recht. Im Schnitt 1,2 Kilometer legen die Nutzer auf den E-Rollern zurück, wie die Zahlen der Stadt Stuttgart verraten, die sie von den Betreibern erhält. Eine Strecke, die man ansonsten läuft und nicht mit dem Auto fährt. Entsprechend zweifelt Mielert die Einsparung von vielen Tonnen Kohlenstoffdioxid, mit denen die Betreiber der E-Scooter werben, massiv an. Noch viel mehr ärgert den Cannstatter, dass mit den Rollern vor allem andere Fußgänger behindert werden. Denn das System, das man die Roller jederzeit und überall abstellen kann, sobald man an seinem Ziel angekommen ist, führt dazu, dass die Roller kreuz und quer auf den Gehwegen stehen. „Das ist vor allem für sowieso schon eingeschränkte Menschen ein großes Problem“, so Mielert.

Mit Rollator, Kinderwagen oder gar mit Blindenstock ist ein E-Roller ein schier unüberwindbares Hindernis. Seine Beschwerden bei der Stadt Stuttgart sind bislang ins Leere gelaufen. Von Seiten der Stadt Stuttgart wurde das Problem bislang mit einer sogenannten freiwilligen Selbstverpflichtung angegangen, die auch alle Anbieter von E-Rollern unterschrieben haben. Darin werden Regelungen zur Organisation der Angebote, zum Abstellen und Parken, zur Kontrolle und Überwachung, zur Verkehrssicherheit sowie zum Datenaustausch getroffen. Ärger hin oder her: Zahl der Roller steigt kontinuierlich.

Laut Angaben der Stadt kommen die drei Betreiber derzeit auf insgesamt rund 1650 Stück. Allerdings steht ein vierter Betreiber in den Startlöchern. In der Selbstverpflichtung werden zudem Zonen definiert, in denen eine Ausleihe beziehungsweise ein Leih-Ende und somit das Abstellen der E-Roller untersagt ist. „Die Realität sieht aber anders aus“, sagt Mielert. Er fordert, weitergehende Maßnahmen von Seiten der Stadt. „Es muss klarer definiert werden, im Zweifel in Form von Straßenbemalungen, wo abgestellt werden darf und wo nicht.“ Bei Nichtverfolgung müsse die Straßenüberwachung konsequent einschreiten.

Bei der Stadt jedoch sind derzeit keine weiteren Maßnahmen geplant. Laut einem Sprecher habe man seit der Zulassung der E-Scooter im Juni 2019 226 Verstöße verfolgt. Davon waren allein 123 Verstöße im Zusammenhang mit Alkohol. Die Gesamtzahl der Verstöße sei im Verhältnis zu verkehrswidrig angestellten Pkws verschwindend gering, so der Sprecher. Die Stadt habe zudem wenig Handhabe, da die Verstöße individuell begangen wurden.

Statt an die Betreiber appelliert die Stadt an die Bürger, doch einfach verkehrswidrig abgestellte E-Scooter aus dem Weg zu schieben, da sie leicht bewegbar seien. Für Mielert ein Witz: „Wie sollen das ein Mensch mit Sehbehinderung, Rollator, oder Eltern mit einem Doppelkinderwagen bewerkstelligen?“

 

 

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