Vor allem die Volksfest-Besucher von weiter außerhalb haben die Heimweghilfe gerne genutzt. Nach 52 Jahren stellt der von Ehrenamtlichen getragene Verein sein Angebot ein.

 

 

Seit einigen Tagen ist in Bad Cannstatt wieder die Hölle los: Achterbahnen, Karusselle und vor allem die Bierzelte locken wieder unzählige Besucher nach Bad Cannstatt – und verleiten den ein oder anderen zum Biertrinken der eigentlich mit dem Auto noch heimfahren wollte. Wer dem Bier jedoch nicht widerstehen konnte, aber nicht am nächsten Tag nochmals nach Stuttgart fahren wollte, konnte seit 1965 auf die Heimweghilfe setzen. Das Team von Ehrenamtlichen rund um den Vorsitzenden Peter Erb, hat die alkoholisierten Besucher in ihrem eigenen Auto nach Haus gefahren.

Als Gegenleistung musst man nur die Taxifahrt für den Fahrer zurück nach Stuttgart bezahlen und hatte sein Auto vor dem eigenen Haus, den Führerschein noch in der Tasche und keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet. „Wir waren von Anfang bis Ende unfallfrei“, sagt Peter Erb nicht ohne Stolz. 10 330 Fahrten haben die Ehrenamtlichen in 52 Jahren bewältigt. Im vergangenen Jahr wurde die Heimweghilfe erstmalig ausgesetzt.

Der Grund war pragmatisch: Wegen dem Jubiläum des Landwirtschaftlichen Hauptfestes war das Feiergelände so groß, dass es schlichtweg auf dem Wasen keine Parkplätze gab – entsprechend sollte auch niemand mit dem Auto kommen. „Wenn man als so kleiner sensibler Verein, der sowieso nur zwei Wochen im Jahr aktiv ist, auch noch ein Jahr aussetzt ist es schwierig wieder Fuß zu fassen“, sagt Erb.

Auch schon vor der Unterbrechung hatte man mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Peter Erb wollte altersbedingt von seinem Posten als Vorsitzender des Vereins Heimweghilfe, der beim Motorsportclub Stuttgart angesiedelt ist, zurücktreten, konnte aber keinen geeigneten Nachfolger finden. „Es ist zudem immer schwieriger geworden junge Ehrenamtliche zu finden, die die Fahrdienste übernehmen“, so Erb.

Zudem sind die Fahrten immer weiter geworden, da der öffentliche Nahverkehr für die näheren Fahrten zunehmend besser funktioniert. In einem Gespräch mit in.Stuttgart-Geschäftsführer Andreas Kroll hat Erb die Verantwortlichen für das Cannstatter Volksfest über das Ende informiert: „Unser Dank gilt der Heimweghilfe, die so viele Jahrzehnte für die Wasenbesucher da war und sie immer gut nach Hause gebracht hat“, sagt Kroll.

„Das war ein wirklich einmaliger Service auf dem Cannstatter Volksfest.“ Erb selbst, findet, dass dies nun der richtige Zeitpunkt für das Ende ist – auch wenn er dieses bedauert. „Ein bisschen Wehmut ist nach so vielen Jahren natürlich dabei.“ Er selbst war schließlich seit Anfang an, dem Jahr 1965, mit dabei.

 

 

Cannstatter Volksfest

Das diesjährige 174. Cannstatter Volksfest läuft noch bis  Sonntag, 13. Oktober.