So ist das im Leben: Manchmal sagt man Ja und dann sagt man Nein. So auch der Cannstatter Bezirksbeirat zum geplanten Recyclingpark Neckartal. Den Standort Lauster-Steinbruch halten die Bezirksbeiräte für denkbar ungeeignet.

 

 

Ganz knapp, mit einer Stimme Mehrheit, folgte das Gremium dem Antrag der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke/Plus, den Recyclingpark Neckartal nicht zu realisieren – jedenfalls nicht auf dem Gelände des ehemaligen Lauster-Steinbruchs. „Wir haben nichts gegen den Recyclingpark, aber es ist der falsche Standort“, sagte Bezirksbeirat Siegfried Deuschle (SÖS/Linke/Plus).

Formal gesehen sei der Antrag nicht zielführend, hatte Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler vor der Abstimmung erklärt. Es sei keine politische Entscheidung mehr. Die Stadt hat ihren Part erledigt, das Recyclingpark-Vorhaben „ist im Ausschuss für Umwelt und Technik begrüßt worden“, warf die anwesende Stadträtin Beate Bulle-Schmid ein, das Genehmigungsverfahren ist längst beim Regierungspräsidium angesiedelt und jenes wiederum kann vom Bezirksbeirat „sowieso zu nichts aufgefordert werden“. Und das Gelände gehört auch nicht der Stadt.

Dennoch blieben die Fragen der Antragsteller – die nach der Anzahl der LKW-Fahrten, nach den zu lagernden „gefährlichen Stoffen“ oder nach dem Schutz des Mineralwassers. Da traf es sich eigentlich gut, dass Stephan Karle von der Firma Karle Recycling anwesend war und bereit, nochmals Stellung zu nehmen zum gemeinsamen Vorhaben der Recyclingunternehmen Karle, Degenkolbe und Fischer. „Ich stehe zu meiner Aussage, dass es im Durchschnitt 100 LKW-Fahrten täglich sind“, sagte Karle – nicht 1000, wie sie im Antrag befürchtet werden. Und jene 100 Fahrten seien auch nur Worst-Case-Szenario.

Was die „gefährlichen Stoffe“ angeht: Boden etwa „wird zu gefährlichem Abfall, wenn man ihn mit dem Bagger hebt. Bis dahin war’s ein Boden, der ganz offen dalag.“ So wie direkt neben dem Areal zum Beispiel: „Da ist ein Bahndamm, der aus gefährlichem Schotter besteht...“ Gefährliche Hölzer? Das seien etwa behandelte Gartenzäune. Sobald solcherlei Abfall dem Recycling zugeführt wird, wird er offiziell gefährlich. Und dann gelten Regeln der speziellen Lagerung – auf versiegelter Fläche, überdacht, gegebenenfalls wie etwa bei Farben und Lacken auch noch in speziellen Gefäßen. Regeln, denen man im geplanten neuen Recyclingpark zu folgen gedenke.

Außerdem gebe es „selbstverständlich ein Konzept zum Schutz des Untergrunds. Nur wenn das funktioniert, gibt’s überhaupt eine Genehmigung.“ Die Aussagen der städtischen Stellen, die das Konzept geprüft haben, seien eindeutig und allesamt einig gewesen, dass das Grundwasser nicht gefährdet sei – und das Mineralwasser somit auch nicht. Die Bedenken bei einigen Bezirksbeiräten blieben. Deshalb folgte der Antrag – gestellt mit neun Ja- zu acht Nein-Stimmen.

 

Verfahren und Veranstaltung

 

Im geplanten Recyclingpark Neckartal sollen Papier, Kunststoff, Metall, Holz, Bauschutt, mineralische Abfälle und dergleichen mehr recycelt werden. Ein Teil des Recyclingangebots der Betreiber ist schon vor Monaten aufs Areal an der Neckartalstraße umgezogen. Das Genehmigungsverfahren für den Aus- und Umbau zum Recyclingpark läuft noch. Im Januar wird das Regierungspräsidium Stuttgart vermutlich eine Erörterungsveranstaltung veranstalten. Geplanter Termin ist am 29. Januar um 9.30 Uhr im Verwaltungsgebäude, Marktplatz 10. Ob er stattfindet, ist zeitnah unter www.rp-stuttgart.de und unter www.stuttgart.de nachzulesen.