Zu einer historischen Altstadt passen holprige Gassen durchaus. Jene, die durch Cannstatts Mitte führt, ist allerdings schlicht marode.

 

 

"Ich bin über die Marktstraße sehr unglücklich“, sagte Markus Lieber vom Tiefbauamt neulich in der Cannstatter Bezirksbeiratssitzung. Damit ist er nicht allein. Die traurige Optik der Marktstraße missfällt vielen. Allein: Für Verbesserungen fehlt es am Geld. Die Mittel für einen neuen Belag wurden in mehreren Doppelhaushalten hintereinander nicht eingestellt.

Die Marktstraße war die erste Fußgängerzone in Cannstatt. Da die Anwohner aber noch zu ihren Parkplätzen fahren können sollten, entschied man sich dafür, den Straßencharakter nicht gänzlich herauszunehmen. Das heißt, statt durchgängig zu pflastern wurde mit Gussasphalt gearbeitet, in den in regelmäßigem Abstand Pflasterbänder eingefügt wurden.

Über die Jahre ist jetzt ein Flickenteppich entstanden. Der wird immer gefleckter, denn „das Flicken macht es schlimmer“, erklärte Lieber. „Es erzeugt neue Schwachstellen“, die dann wieder geflickt werden . . . Das kostet auch Geld. „Im Unterhalt ist die Marktstraße eine Katastrophe. Eine komplette Erneuerung wäre eine gute Lösung.“

Da deren Realisierung immer noch nicht absehbar ist, will das Tiefbauamt nun wenigstens großräumiges Flickhandwerk betreiben und damit „beginnen, zwei, drei, vier, fünf ganze Felder zu erneuern“. Wie das dann aussieht und vor allem, wie lange es hält, wird sich zeigen. Historische Straßenidylle geht irgendwie anders.

 

Kompromiss-Konzept

Das Wegekonzept der Marktstraße mitsamt den von ihr abzweigenden Gassen, der Beleuchtung und den Bänken entstand in den 70er Jahren als eine Art Kompromiss: Fußgängerzone – aber befahrbar.