Tour 6 und Ende der Serie: In Bad Cannstatt gibt es noch viel mehr zu entdecken als Daimler, Volksfest und den VfB – Stadtführung und ein Blick hinter die Kulissen der Wilhelma mit den VVS- und  Wochenblattgewinnern und -gewinnerinnen.

 

 

Die evangelisch-methodistische Christuskirche in der Daimlerstraße haben sie nicht gekannt. Und auch die Pferderemise, die sich etwas nach hinten versetzt in der König-Karl-Straße versteckt, war zwei Teilnehmerinnen nicht bewusst. Dabei waren sie ganz in der Nähe zur Schule gegangen. Aber beim Eckhaus an der Wilhelmstraße/Liebenzeller Straße kamen die Erinnerungen hoch.

Hier hatten sie Bruchschokolade geholt. Noch immer ist der Schriftzug Alfred Ritter im Schaufenster zu sehen. Darüber liegen Teile von Bilderrahmen. Heute befinden sich Künstlerateliers im ehemaligen Stammhaus der Firma Ritter Sport. Stefan Betsch, tief verwurzelt in Bad Cannstatt und engagiert in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, versteht es, seinen Stuttgarter Stadtteil ins rechte Licht zu rücken.

Die sechste und letzte Aktion der „60plus Tour“ von Stuttgarter Wochenblatt und VVS führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Bad Cannstatt und in die Wilhelma. Die Führung beginnt am Kursaal, den Nikolaus von Thouret im 18. Jahrhundert im klassizistischen Stil entwarf und dessen Bau König Wilhelm I. unterstützte.

Davor standen hier Ölmühlen, die ganzjährig von der Sulzbachquelle angetrieben wurden, erzählt der Stadtführer. Mit dem Bau des Kursaals begann auch die Zeit der Badestadt Cannstatt, das 1933 den offiziellen Titel Bad Cannstatt verliehen bekam. Die sprudelnden Mineralquellen wussten aber auch schon die Römer und später die Alemannen zu schätzen.

22 Millionen Liter nutzbares Mineralwasser täglich entspringen den Quellen, noch mal die gleiche Menge fließt in den  Neckar. Nach Budapest ist es das zweitgrößte Mineralwasservorkommen in Europa. Wie das Wasser schmeckt, konnten die VVS-Ausflügler am Lautenschläger-Brunnen, oder wie die Cannstatter sagen am „Sauerbrünnle im Kurpark“, probieren.

In der Daimlerstraße kam Betsch natürlich auf die großen Namen Daimler und Maybach zu sprechen, die Cannstatt als Industriestadt begründeten. Hier  ist das Kepler-Gymnasium, das Hermann Hesse, Thaddäus Troll, die Hirth-Brüder, Joschka Fischer und viele weitere Persönlichkeiten besuchten. Im  19. Jahrhundert kamen Schüler aus ganz Europa. Engländer brachten das Fußballspiel 1865 auf den Wasen und sorgten für die anfangs erwähnte Christuskirche, die im englischen Stil erbaut wurde. „Das ist was ganz Besonderes“, meint der Stadtführer.

Vorbei an weiteren Brunnen – zu jedem gibt es eine Geschichte und alle werden aus der Kellerbrunnenquelle gespeist – geht es durch die Altstadt  bis zum „Klösterle“ beim Stadtmuseum. Dieses älteste Wohnhaus Groß-Stuttgarts von 1463 sollte ab­gerissen werden. Durch Spenden konnte das ehemalige Beginenhaus 1983 renoviert werden und  heute ist noch ein Teil der Originalbemalung zu bewundern.

Am Marktplatz stärken sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit schwäbischen Gerichten im Garten der Gaststätte zur Sattlerei. Über den Neckar ist man in wenigen Minuten in der Wilhelma. Stefanie Reska, Biologin und zuständig unter anderem für Umweltbildung und die Artenschutzprojekte der Wilhelma, gibt  den Besuchern einen Einblick hinter die Kulissen des zoologisch-botanischen Gartens. „Nicht spektakulär, aber interessant,“ warnt sie die VVS-Ausflügler. Aber schon bald  wird Reska mit Fragen überhäuft. Etwa bei der wissenschaftlichen Sammlung der Sukkulenten oder bei den Bromelien. Reska erzählt nicht nur, dass die Pflanzensamen katalogisiert werden und jährlich etwa 1000 Portionen Samen mit anderen Anzuchtstationen ausgetauscht werden, sondern gibt  auch Tipps zur Pflege für zu Hause.

Im Kühlraum bei sieben Grad konnten Futterrationen begutachtet werden. Leckeres Obst und Gemüse vom Großmarkt sind hier je nach Tier zugeteilt. Selbst in die Tiefkühlkammer ließ die Wilhelma-Mitarbeiterin die Besucher. Bei minus 20 Grad lagern hier Fisch und Laub. Die Blätter werden sommers im Stadtwald gesammelt und schockgefroren. Denn Giraffen und Okapis etwa brauchen das ganze Jahr über frisches Laub. Wie genügsam ist da Frederick, das Leistenkrokodil, das im März aus Australien in Stuttgart ankam. Der 4,31 Meter lange, 520 Kilogramm schwere und etwa 50 Jahre alte Bulle bekommt montags ein Huhn. Viel gelernt hat man, das war die einhellige Meinung der Teilnehmer am Ende des Tages.

 

 

Das war’s – vorerst!

Neue Ziele für neue Teilnehmer werden schon „abgesteckt“, VVS und  die Redaktion freuen sich auf 2020!