Nachdem es viele Jahre immer ruhiger um den „Neckar-Käpt’n“ wurde, weht seit Kurzem wieder frischer Wind in den Segeln der Neckarpersonenschifffahrt.

 

 

Aktuell ist Baustelle angesagt auf den verbliebenen drei Schiffen der Flotte. Die Zeit drängt, schließlich startet Ende März die neue Saison und bis dahin hat Jens Caspar noch einige Pläne. Jens Caspar ist in Stuttgart vor allem für seine Maultaschen und diverse Bauprojekte bekannt. Mit der Firma „Herr Kächele“ hat er dem schwäbischen Nationalgericht einen frischen Anstrich verpasst und es aus den Wirtshäusern in die Imbisse entführt. Nun wagt er den Schritt in die Schifffahrt. Für ihn eine wichtige Aufgabe. „Es darf nicht passieren, dass die Neckarschifffahrt irgendwann eingestellt wird“, so Caspar, der schon als kleiner Junge die Fahrten mit seiner Großmutter auf dem Neckar geliebt hat.

Die Vorbesitzer der Neckar-Personen-Schifffahrt Berta Epple GmbH, wie der im Volksmund als „Neckar-Käpt’n bekannte Betrieb, offiziell heißt, hatte Andeutungen gemacht, dass es nicht mehr lange weitergeht. Ein Nachfolger war zunächst nicht in Sicht. Für Caspar ist es eine Herzensangelegenheit – die er allerdings nicht nur so nebenher machen will, sondern für die er große Pläne hat. Zunächst gilt es die vorhandenen drei Schiffe auf Vordermann zu bringen. Die MS Wilhelma bekommt eine Generalüberholung: „Wir wollen den Glanz der 60er Jahre zurückholen“, so Caspar. Eine Zeit, in der die Neckarpersonenschifffahrt auch ihre Hochzeit erlebt hat. In den 70er Jahren wurden gar 200 000 Personen im Jahr transportiert. Auch die MS Bad Cannstatt, die aktuell als Büro genutzt wird, soll bald im neuen Glanz erstrahlen.

„Einen Teil der Büros werden wir selbst nutzen, einen Teil vermieten“, sagt Caspar. Das Neckarfloß könnte gar bald als schwimmender Besen unterwegs sein, so der Plan vom neuen Besitzer. Ein neue Zeltkonstruktion soll das Floß winterfester machen. Dazu sollen in Kürze zwei weitere Schiffe gekauft werden. Neben vielen logistischen und baulichen Themen, wie zum Beispiel auch eine Verbesserung der Hauptanlegestelle durch Toilettenräume und einen Getränkeautomat, wird vor allem inhaltlich viel passieren. „Weinfahrten mit einem Sommelier, der die Weine ausschenkt, aus den Anbaugebieten, an denen man direkt vorbeifährt“, wünscht sich Caspar. Dining-Events mit Sternekoch, Hochzeiten und Co. kann sich Caspar ebenso gut vorstellen. Der umtriebige Unternehmer ist auch schon im lebendigen Austausch mit möglichen Sponsoren und Kooperationspartner, wie dem VfB Stuttgart oder der Wilhelma.

„Ich renne überall offene Türen ein“, zeigt sich Caspar begeistert. Das Interesse am Neckar und an einem Schub für seine Schifffahrt scheint groß zu sein. Neben den vielen teils ausgefallenen Ideen ist Caspar aber auch wichtig, dass die traditionelle Schifffahrt weiter geht: Hafenrundfahrt und Co. Dafür möchte er ein vereinfachten Fahrplan erstellen und vor allem beim Ticketing Verbesserungen erzielen: „Ein Gutscheinsystem und Online-Ticketing wird es künftig geben“, so Casper. Die Geschäftsführung in der Neckar-Personen-Schiffahrt Berta Epple GmbH wird auch ein bekanntes Stuttgarter Gesicht übernehmen: Der ehemalige FDP-Stadtrat Michael Conz.

 

 

Geschichte

Im Jahr 1956 wurde die Firma „Neckar-Personen-Schiffahrt Berta Epple“ gegründet und die beiden ersten Schiffe in Auftrag gegeben. Mit der Taufe der „Stuttgart“ durch Yvonne Klett, die Ehefrau des Stuttgarter Oberbürgermeisters Arnulf Klett, am 7. März 1957 nahmen die beiden Schwesterschiffe „Dorothea Epple“ und „Stuttgart“ den regelmäßigen Schifffahrtsbetrieb in Bad Cannstatt auf.