Motorsäge, BH, Mobilität – aus Cannstatt kommt, was der Mensch braucht. Auch quadratische Schokolade – fast jedenfalls. Erfunden von Clara Ritter.

 

 

Von wegen Waldenbuch. Aus Cannstatt kommt das quadratisch praktisch Gute. Beziehungsweise in Cannstatt wirkte einige Jahre die Frau, auf die es zurückzuführen ist. Grund genug für den Cannstatter Bezirksbeirat, sich ihren Namen auf einem Straßenschild zu wünschen. Das Gremium – jedenfalls der überwiegende Teil – hat beschlossen, die neuen Neckarpark-Straßen nach Frauen zu benennen.

Nicht nach irgendwelchen natürlich, sondern nach irgendwie bedeutenden mit Cannstatt-Bezug. Mithilfe des Historikers Olaf Schulze kam eine Liste mit potenziellen Namensgeberinnen zusammen. Darunter auch Clara Ritter (1877–1959). Um 1900 eröffnete sie, damals noch ihren Geburtsnamen Göttler tragend, mit ihrer Schwester ein Süßwarengeschäft in der Cannstatter Bahnhofstraße. „In ihrem fein ausstaffierten Laden“ wollte sie „die wohlhabende Kundschaft der Bäderstadt erreichen“, hieß es in der Frauen-Ausstellung 2018 im Stadtmuseum zu Clara Ritter.

Aus dem Geschäft wurde mehr: Der Hochzeit mit dem Konditor Alfred Ritter folgte die gemeinsam gegründete Schokoladen- und Zuckerfabrik Ritter. Produziert und gelebt wurde in der Sodener Straße. Das Unternehmen florierte. 1919 wurde ein Gebäude in der Wilhelmstraße zum Schokoladenfabrik-Stammhaus. In der Markt- und der Bahnhofstraße wurden weitere Geschäfte eröffnet. Und ja, dann kam Waldenbuch, des Platzes wegen, im Jahr 1930.

Dort kam Clara Ritter 1932 die Idee zur quadratisch praktischen Sportschokolade. Weil die viel praktischer in der Tasche zu verstauen war für die Menschen, die sich bei den Ritters auf dem Weg zum angrenzenden Fußballplatz mit Süßem eindeckten. Hinter der Sportschokolade steckt also tatsächlich Sinn. Und die Anfänge stecken in Cannstatt.

 

 

Noch nicht sicher

Da es in Stuttgart schon eine Ritterstraße gibt, kann es sein, dass die Stadtverwaltung den Bezirksbeiratswunsch nach der Clara-Ritter-Straße im Neckarpark ablehnt. Die Cannstatter Liste an alternativen Frauennamen für das Gebiet ist allerdings lang.