Die Schusterbahn von Untertürkheim über Bad Cannstatt nach Kornwestheim ist nur richtigen Nahverkehrs-Junkies bekannt. Das könnte sich in ferner Zukunft ändern – oder auch nicht.

 

Die Bezirksbeiratsfraktion der CDU hat die Schusterbahn, offiziell R11, mal wieder auf den Tisch gebracht: In einem Antrag fordert die Cannstatter Fraktion die Stadtverwaltung auf mit dem zuständigen Regionalverband Stuttgart und der Deutschen Bahn Gespräche aufzunehmen, mit dem Ziel die Haltepunkte Ebitzweg, Münster und Zazenhausen aufzuwerten und die Schusterbahn so aufzuwerten. Soweit so gut: Doch ist es mit einer einfachen Verschönerung bei der Schusterbahn bestimmt nicht getan.

Die gute Nachricht: Im Hintergrund läuft bereits Einiges in Sachen Schusterbahn, die schlechte Nachricht: „Das Thema hat bei uns gerade nicht Priorität“, sagt Jürgen Wurmthaler, Verkehrsdirektor des Verbands Region Stuttgart ganz offen. Hintergrund ist, dass Veränderungen bei der Schusterbahn erst nach Beendigung der Baumaßnahmen rund um Stuttgarter 21 angegangen werden sollen. Stand jetzt, also nach 2025. „Wobei des für Planungsmaßnahmen im Eisenbahnverkehr eine nicht mal so lange Zeitspanne ist“, sagt Wurmthaler. Entsprechend laufen im Augenblick diverse Planungsarbeiten.

Bereits fertig ist eine Untersuchung die insgesamt fünf Varianten durchgespielt hat. Variante 1: Die Schusterbahn im jetzigen Zustand belassen, aber statt nur morgens und nachmittags drei Fahrten je Richtung, ganztägig im Halbstunden-Takt. Variante 2: Eine Verlängerung bis Esslingen. Variante 3: Eine Verlängerung bis Plochingen. Variante 4: Eine Verlängerung bis Bietigheim und Variante fünf, ein ganztägiger Viertelstundentakt von Bietigheim bis Plochingen.

„Mit jeder Variante steigen natürlich die Kosten“, so Wurmthaler. Wobei vor allem eine Verlängerung in Richtung Ludwigsburg und Bietigheim für große Kosten sorgen. „Hier sind aufwendige Überwerf-Bauwerke notwendig“, sagt Wurmthaler. Denn die Schusterbahn müsste bei Kornwestheim die bestehenden S-Bahn-Linien kreuzen. Kosten von über 50 Millionen Euro würden anfallen. Hinzu kommen natürlich auch höhere Betriebskosten durch die größere Anzahl an Zügen und Personal.

Deshalb soll nun in einer weiteren Untersuchung geprüft werden, mit welchem Fahrgastpotenzial bei den einzelnen Varianten zu rechnen sind „Damit gilt es dann abzuwägen, welche Investitionen darstellbar sind“, sagt Wurmthaler. Im kommenden Jahr möchten man diesen Abwägungsprozess durchführen – der Ausgang ist noch völlig offen. Entsprechend sei es im Augenblick schwierig eine Prognose durchzuführen. Die Stadt Stuttgart würde, so eine Sprecherin, die Umsetzung eines gesamtwirtschaftlich sinnvollen Konzeptes begrüßen und den Ausbau oder Neubau von Haltestellen unterstützen.

 

 

Schusterbahn

Die Bahnstrecke Untertürkheim – Kornwestheim ist 11,5 Kilometer lang und wird hauptsächlich vom Güterverkehr genutzt. Die Bezeichnung „Schusterbahn“ kam durch die Salamanderwerke in Kornwestheim zustande. Die Personenzüge fuhren hauptsächlich für deren und Mitarbeiter der Bahn zwischen Untertürkheim und Kornwestheim.