Der Mensch muss spielen, der kleine Mensch erst recht. Viele kleine Cannstatter gehen ihrem Spieltrieb gerne auf dem Platz auf der Ganzhorn-Anlage neben der Liebfrauenkirche nach. Das Ergebnis: Er ist „abgespielt“, wie das auf Amtsdeutsch heißt. Das Garten-, Friedhofs- und Forstamt will ihn deshalb sanieren, umgestalten und erweitern – und unter das Steinzeit- Motto stellen.

1907 sei die Grünanlage, benannt nach Oberamtsrichter Wilhelm Ganzhorn, angelegt worden, erzählte Kilian Bezold vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt kürzlich bei der Bezirksbeiratssitzung. Der kleine Park kam mitsamt einem „minikleinen“ Spielplatz daher, „einem der ersten in Stuttgart“. Zu damaligen Zeiten schon etwas Besonderes, denn da standen Spielplätze bei der Städteplanung eher nicht auf der Agenda.

Heute ist das anders. Deshalb geht es nun an die Sanierung. Und weil an dem grünen Flecken an der Taubenheimstraße einst ein Mammutstoßzahn gefunden wurde, „wollen wir dieses Thema in die Spielplatzplanung aufnehmen“, so Bezold. Künftig soll es etwa eine Mammutrutsche geben und Spielhäuschen in Form von Pfahlbauten. Die Spielfläche wird um ein Stück derzeitiger Wiese erweitert, die Platz für unsteinzeitmäßige Slackline und Tischtennisplatte bietet. Und auf dem von Bänken umgebenen Plätzchen ein Stück weiter gen Haltestelle Uff-Kirchhof, in dessen Mitte ein Stoßzahn eher traurig anmutend an den Urzeitfund erinnert, soll stattdessen ein „Minimmut“ stehen, ein kleines Spielgerät in Mammutform.

Im Spielplatzentwurf berücksichtigt sind Wünsche und Ideen, die Kinder und Jugendliche aus dem Seelbergviertel bereits 2012 eingebracht hatten. Mit der Planung hat es eine ganze Weile gedauert, denn die Mitarbeitenden des Gartenamts hatten sich prioritär um Projekte wie den Neckarpark zu kümmern – Eidechsenvergrämung frisst Kapazitäten...

Das betrifft auch andere Projekte, was in diesem Fall fast einen Vorteil bietet: Denn so kann Geld umgeschichtet werden. Die Sanierung und Umgestaltung des Spielplatzes auf der Ganzhorn-Anlage wird rund 220.000 Euro kosten – mehr als doppelt soviel, wie noch 2013 veranschlagt. 100.000 Euro aus der Stadtentwicklungspauschale (Step) waren bereits für den Doppelhaushalt 2014/15 eingestellt worden.

Für die noch fehlenden 120.000 Euro machte Antje Sartorius vom Amt für Stadtplanung und -Erneuerung einen Finanzierungsvorschlag, dem die Bezirksbeiräte folgten: Die Summe kann aus dem Spielplatzprojekt Am Stadtgraben entnommen werden, dessen Umgestaltung sich verzögern wird, eben weil auch diesbezüglich bislang Planungskapazitäten fehlten. Für den Doppelhaushalt 2018/19 könne eine Aufstockung in der dann nötigen Höhe beantragt werden, die Umschichtung gefährde das Projekt nicht, versicherte Sartorius. Zunächst steht bei jenem Stadtgrabenspielplatz-Projekt die Beteiligung von Eltern, Kindern und Co. an, anschließend werden die Pläne erstellt und gebaut wird dann wohl Ende 2018.

Dafür geht es nun im Seelberg recht zügig an die Spielplatz-Realisierung: Baubeginn soll im kommenden Herbst sein. Dem Spieltrieb im Steinzeitspielumfeld kann, so alles plangemäß läuft, drei Monate später nachgegangen werden.