Schüler der Fritz-Leonhardt-Realschule haben wieder Spenden für Kinderdörfer in Tibet gesammelt. 2500 Euro konnten kurz vor Weihnachten überreicht werden.

 

 

Ob beim Weihnachtsgottesdienst in der Versöhnungskirche oder auf dem Stand beim Nikolausmarkt – die Schüler der Fritz-Leonhardt-Realschule (FLRS) haben wieder eifrig die Spendentrommel für Kinder in Tibet, denen es nicht so gut geht, gerührt. Besonders erfolgreich war die Klasse 7a, die mehr als 600 Euro einnehmen konnte, indem sie an einer Supermarktkasse die Einkäufe gegen eine Spende eintütete. Schon zum achten Mal unterstützen unterschiedliche Klassen der FLRS damit das Tadra-Projekt.

Der gleichnamige Verein hat das Ziel, Waisen- und Straßenkindern in Tibet ein Zuhause zu geben und eine Ausbildung zu ermöglichen, bis sich die Kinder selbst ernähren können. Zwei Dörfer hat Tadra errichtet, die insgesamt um die 650 Kinder beherbergen und unterstützen. Das ganze Projekt ist spendenbasiert und wurde vor 22 Jahren von Tibetern und Deutschen ins Leben gerufen. Christine Leonhardt, Tochter des Namensgebers der FLRS und Fernsehturmbauers, ist eine von denen, die sich engagiert. Sie brachte Tadra und die FLRS zusammen. Leonhardt reiste 2004 – nach schwerer Krankheit – selbst nach Tibet. Dabei kam sie auch mit den Geschichten von Kindern in Berührung, die über den Himalaya flüchteten.

Über Bekannte hatte die Tochter des Fernsehturmbauers später vom Tadra-Projekt erfahren, für das sie sich inzwischen seit vielen Jahren einsetzt. Dass sich die Realschüler nun ebenfalls seit einigen Jahren für die Kinder in Tibet engagieren, freut Leonhardt besonders. Den Spendenscheck überreichten die Schüler bei der Jahresabschlussfeier der FLRS, bei der sehr viel gesungen und getanzt wurde. Leonhardt erkannte Parallelen: „Das ist bei den Kindern in Tibet ganz ähnlich, bei Festen wird sehr viel getanzt und gesungen.“

Dennoch leben die Kinder ganz anders, was eine Erzählung aus einem der beiden Kinderdörfer zeigt. Es liegt bei der kleinen Stadt Dawu in der ehemaligen tibetischen Provinz Kham. Der größte Teil der Bevölkerung in Kham besteht aus Nomaden, von denen über 80 Prozent Analphabeten sind. Das Kinderdorf, das sich über eine Fläche von 250.000 Quadratmeter erstreckt, ist nach dem Vorbild der Pestalozzi-Kinderdörfer aufgebaut. Jeweils 15 Kinder leben in ihrem Familienhaus mit ihren Pflegemüttern zusammen. In der Regel nimmt das Tadra-Projekt keine Kinder unter fünf Jahren auf, das wäre eine zu große Belastung für die Hausmutter, von denen jede in ihrem Haus zehn bis 15 Kinder versorgt.

In Kham lebt auch Namka. Nachdem seine Mutter gestorben war, ließ der Vater ihn und seinen kleinen Bruder Lhado allein zurück. Keiner der Verwandten war bereit, die beiden Jungen aufzunehmen. Deshalb lebten sie ein Jahr lang in einer kleinen Baracke. Namka kümmerte sich um seinen kleinen Bruder. Die beiden waren völlig auf sich allein gestellt und ernährten sich von Abfällen, die sie in Mülltonnen fanden. Schließlich nahmen die Großeltern den jüngeren Bruder bei sich auf. Namka aber gaben sie zu einer fremden Familie. Dort musste er – als achtjähriger Bub – jeden Tag von früh bis spät Tiere hüten, Feuerholz besorgen und andere Aufgaben übernehmen.

Mit zehn Jahren wurde er schließlich in ein Tadra-Dorf geholt. Weil Namka nie die Schule besucht hatte, fiel es ihm zunächst schwer, sich einzufinden. Innerhalb weniger Jahre aber entwickelte sich Namka zu einem der besten Schüler seiner Klasse. Inzwischen fällt er durch seine außergewöhnlich guten Englischkenntnisse auf, er ist der Übersetzer der Tadra-Schule und hilft in den Ferien beim Unterrichten. Später möchte Namka tibetische Medizin studieren, denn als seine Mutter gestorben war, weil die Familie keinen Arzt bezahlen konnte, wuchs in ihm der Wunsch, der armen Bevölkerung helfen zu wollen.

 

Kontakt

Mehr Info zum Verein Tadra Projekt auf www.tadra.de