Guggenmusik ist nicht nur fester Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Fasnacht, sondern steht für Leidenschaft und Lebensfreude.

 

Trotz der frühen Stunde ist der Feuerbacher Weihnachtsmarkt gut besucht. Es duftet nach Glühwein, je nach Ecke untermalt von Waffel-, Bratwurst- oder Gebrannte-Mandeln-Aroma. Sogar eine Bühne hat’s, auf der sich gerade eine in prächtige blau-weiß-silberne Outfits gekleidete Band versammelt. „Jedes Ensemblemitglied näht sein Kostüm selbst. Wir Männer haben vor einigen Jahren sogar einen Kurs gemacht, um unsere Outfits zukünftig selbst zu schneidern“, erklärt Vereinspräsident Stefan Furtner stolz, bevor er selbst die Bühne entert. Einige glühen noch schnell mit einem Schluck Glühwein vor, andere stimmen die Instrumente nach, dann gibt eine junge Frau den Startschuss. Plötzlich dröhnen Pauken und Trompeten los, Blasinstrumente und Schellen vervollständigen die Kakofonie. Es dauert ein Weilchen, bis klar wird, dass es sich bei dem Sound um „Stille Nacht, heilige Nacht“ handelt.

Obwohl sich bis dato keine Profimusiker in die Reihen der First Guggen Band verirrt haben, ist das Laute, betont Schräge, gekonnt Falsche nicht auf mangelnde Notenkenntnisse zurückzuführen, sondern auf den Ursprung der Guggenmusik. Bereits im 16. Jahrhundert zogen Menschen mit Rasseln, Blecheimern, Trommeln und Kuhglocken los, um mit dem Lärm hartnäckige Wintergeister zu vertreiben.
ckige Wintergeister zu vertreiben. Die heutige Form eroberte von der Schweiz aus zunächst den Kulturraum der schwäbisch-alemannischen Fasnacht, später auch andere Regionen.

Die Disharmonie bringt Vorteile: Zum einen hebt man sich ab von klassischer Blasmusik, zum anderen können auch musikalisch Unbeleckte mitmachen, sofern sie über vages Rhythmusgefühl verfügen, lockt Vizepräsident An- dreas Brümmer. „Frisches Blut ist sehr willkommen. Noten sind keine Voraussetzung, ein Instrument auch nicht, das kann man bei den Proben lernen. Der Spaß entscheidet.“ Zu den klassischen Instrumenten gehören Blechblasund Schlaginstrumente, aber die Band schreckt auch vor Ungewöhnlichem nicht zurück.

„Wir hatten schon mal eine Klarinette dabei. Zur Not passen wir unsere Arrangements an“, verspricht Furtner und schwenkt sein Saxofon. Dass Saxofonisten mitspielen, sei ebenfalls ungewöhnlich und so etwas wie das Band-Markenzeichen. Der Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt ist für die Musiker Heimspiel und Aufwärmtraining gleichermaßen: Etwa 100 Veranstaltungen stemmen sie pro Jahr, gut die Hälfte in der Faschingszeit. Das Repertoire reicht von Evergreens über Schlager bis zu aktuellen Hits und eben Weihnachtsliedern. Gerade endet eine etwas verzerrte Version von „Lasst uns froh und munter sein“. Einige Zuschauer klatschen lachend, andere schauen eher verdrießlich drein – erfahrungsgemäß spaltet Guggenmusik die Geister. Die Band-Mitglieder stört das nicht: „Wir sind eine tolle Truppe, die gemeinsam etwas Lustiges auf die Beine stellt.“ Und dabei ganz nebenbei alte Traditionen am Leben erhält.

 

Infos rund um die First Guggen Band gibt es auf www.figubas.de. Wem das nicht reicht: Bruggaklopfer (www.bruggaklopfer.de), VIP-Guggen Stuttgart e. V. (www.vip-guggen.de); Gassarassler (www.narrenbund- ostfildern.de); Scillamännle (www.hofenerscillamaennle.de); NOL Guggen (www.narrenober- liga.de).