Die Proteste vieler Bürger auf den Fildern gegen den gigantischen Aufwand für das Bahnprojekt haben einen neuen Höhepunkt erreicht, denn es droht ein monatelanger Ausfall der S-Bahn zum Flughafen und nach Bernhausen.

 

 

Bei den aktuellen Planungen der Deutschen Bahn zur zukünftigen Anbindung der Gäubahn droht ein beträchtlicher Konflikt zwischen den Vertragspartnern – der Bahn einerseits, Land und Regionalverband andererseits sowie der Stadt Filderstadt. Es geht um die Ankündigung, dass wegen des Baus eines dritten Gleises im Flughafenbahnhof die S-Bahn ein Jahr lang nicht zum Flughafen und weiter nach Bernhausen fahren kann. Vor allem die „Schutzgemeinschaft Filder“ ist aufgeschreckt. Dort hat die Nachricht für eine Gemengelage zwischen Betroffenheit und Entsetzen gesorgt. Der Vorsitzende Steffen Siegel reagierte überaus verärgert. „Wie viel Lug und Trug müssen wir eigentlich noch ertragen, bis die Politik endlich den Mumm hat, dieses an allen Ecken und Enden fehlgeplante, Leib und Leben der Fahrgäste gefährdende und immer teurer werdende Murksprojekt zu stoppen? Wann endlich hört man damit auf, gutes Geld der Steuerzahler Schlechtem hinterherzuwerfen?“

Die geplante „Station Drittes Gleis“ soll der Gäubahn eine Zufahrt ermöglichen. Die Bahn hat einen „massiven Eingriff in die bestehende Infrastruktur“ vor, wie der Pressesprecher des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm Jörg Hamann einräumt. Der lokale Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel, Bahnpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, meint: „Die Unterbrechung bringt ein riesiges Verkehrsproblem für die Filder. Die Mobilität der Menschen muss gewährleistet bleiben. Mit noch mehr Autoverkehr kann das nicht gelingen und würde die ohnehin hohen Belastungen noch verschärfen.“ Deshalb fordert Gastel, „die Zeit der Einschränkungen so weit wie möglich zu verringern“.

Ein Gutachten des verkehrswissenschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart bestätigt der Bahn zwei Varianten eines möglichen Ersatzverkehrs, die Optionen im weiteren Planfeststellungsverfahren sein könnten: Die bereits im Bau befindliche Linie U6 der Straßenbahn über den Fasanenhof hinaus oder einen „Interimsbahnhof“ vor dem Tunnelportal zur bereits bestehenden S-Bahn-Station Terminal am Flughafen. Filderstadts Oberbürgermeister und die im Gemeinderat der Stadt Filderstadt vertretenen Fraktionen sind verärgert. Sie fordern von der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH und den Projektpartnern zweierlei: eine deutliche und spürbare Verbesserung der Informationspolitik zum Planfeststellungsverfahren 1.3b sowie einen Bauablauf, der eine Unterbrechung der S2 nach Filderstadt von maximal einem Jahr sowie ein verlässliches Konzept zum Schienenersatzverkehr vorsieht.

Die Information schlug in Filderstadt ein wie eine Bombe. Daraufhin hat jetzt ein Gespräch zwischen einem Vertreter der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH und Filderstadts Oberbürgermeister Christoph Traub stattgefunden. Dieses hat jedoch nicht dazu beigetragen, die tags zuvor über die Informationspolitik der DB entstandene Verärgerung zu lindern. Darüber hinaus bestehen auf Filderstädter Seite erhebliche Zweifel am vom Bahnprojekt vorgestellten Konzept des einjährigen Schienenverkehrs.