Mit Wochenblatt und VVS auf Ausflugtour: Der zweite Ausflug der Aktion „60plusTour“ ging nach Göppingen –  inklusive exklusiver Führung durch das Märklin-Werk und interessanter Stadtführung. „Jeder Göppinger hat mindestens zwei Märklin-Modelleisenbahnen daheim“.

 

 

Die Regionalbahn brachte die zehn Gewinner des Ausflugs sicher vom Hauptbahnhof zum Göppinger Bahnhof, von dort ging es nach  einem kurzen Fußmarsch direkt zu Märklin. Märklin und Modelleisenbahnen, Märklin und Göppingen – das gehört schon seit 1859 zusammen. Theodor-Friedrich Märklin fing mit Blechspielwaren für Puppenhäuser an, 1897 produzierte er die erste Modelleisenbahn. Die schlug ein wie eine Bombe und schon 1898 wurde in Göppingen ein neues Werks­gebäude im Jugendstil gebaut. Noch heute zeugen  die wunderschönen Fliesfußböden  davon, genauso wie ein Schild aus der Gründerzeit für die Mitarbeiter: „In den Arbeitsräumen nicht essen, trinken, rauchen, schnupfen, Tabak oder Gummi kauen“.

Die Wochenblatt-Leser bekamen eine exklusive Werksführung von Heinz Osswald, der selbst 51 Jahre (!) in der Märklin-Produktion beschäftigt war (Leider war fotografieren im Werk strengstens verboten). Wahnsinn, was alles  in den kleinen, perfekten Spielzeugeisenbahnen steckt: Eine Lok besteht aus bis zu 350 Einzelteilen mit wahnsinnig vielen Details.

Das Gehäuse entsteht in der Druckgussabteilung: 60 000 bis 100 000 Euro kostet eine Form, 800 bis 1000 Teile werde pro Schicht aus Zink gegossen. Zu Hochzeiten in den 1950er/60er Jahren arbeiteten 2500 Menschen bei Märklin in Göppingen, heute sind es noch 500 in Göppingen (HO-Modelle, Galvanik, Farbe)  und 700 im Zweigwerk in Ungarn (Kunststoffteile, Anhängerwaggons und Gleise).

Im Akkord werden die Gussgehäuse der Loks glatt geschmirgelt. Hier kommen auch Roboter zum Einsatz, genauso wie bei der Bearbeitung der Gehäuse programmierbare Bearbeitungsmaschinen. Bis auf die Elektronik macht Märklin alles an den Modellbahnen selbst. Die Fertigstellung einer Lokomotive (Maßstab 1:87 im Vergleich zum Original) dauert anderthalb bis zwei Monate. Hier ist Märklin detailversessen und macht keine Kompromisse.

Die Werksführung geht weiter mit einer Führung durch die Stanzerei, die Kunststoff-Teile-Herstellung, die Druckerei/Farbgebung, die Automatendreherei und schließlich: die Endmontage. Bei der sogenannten Hochzeit wird das Ober- mit dem Unterteil der Lok zusammengefügt. Diese unglaubliche Feinarbeit ist fest in Frauenhand.

Eine Märklin-Lok muss in der Qualitätskontrolle mindestens 250 Stunden durchhalten, sonst wird sie gar nicht erst ausgeliefert. „Den ganzen Tag testen, das wäre ein Job für uns“, sagt ein Wochenblatt-Gewinner und lacht. Die Herzen der Märklin-Fans schlagen hier höher. Zwischen 200 und 250 Loks verlassen pro Tag das Märklin-Werk. Nach der Führung wissen die Wochenblatt-Leser, warum eine Lok auch mal 400 Euro kosten kann.

Nach dem Mittagessen in der Märklin-Kantine folgte eine Stadtführung mit Rudi Bauer, selbst jahrelang Polizeisprecher von Göppingen, der den Teil­nehmern mit leuchtenden Augen seine Heimatstadt erklärte: „Göppingen ist ein gemütliches, schönes Städtle.“ Wenn Göppingens Ambiente manchen Gast auf den ersten Blick nicht anspricht, so liegt das daran, dass Göppingen vor 100 Jahren eine reine Industriestadt war: Firmen wie Märklin, Böhringer (Drehbänke, Kanonen), Schuler oder Gentner (Nigrin Schuhcreme) erzählen davon. Göppingen hat 58 000 Einwohner, verteilt auf sieben Stadtteile,  und war schon immer eine „rote“ Stadt – kein Wunder bei den vielen Arbeitnehmern. „Und jeder Göppinger hat zumindest zwei Märklin-Bahnen daheim“, sagt  Bauer schmunzelnd.

Bekannt ist Göppingen außerdem für das „Christophsbad“, die Nervenheilanstalt,  moderne Technik-Firmen,  innovative Schulen und Bildungseinrichtungen. Nach Göppingen pendeln mehr Menschen ein als aus.

Bauer führte die Teilnehmer außerdem in die Stadtkirche. In ihrem heutigen Erscheinungsbild wurde die Stadtkirche 1618/1619 von  Heinrich Schickhardt erbaut. Die Teilnehmer erlebten den Schulerpark (Kirchengärtle bei der Stadtkirche), das Göppinger Schloss, den benachbarten Marstall (heute Jugendknast) und das Rathaus. 1781 schlug in Göppingen der Blitz ein, die mittelalterliche Stadt brannte ab. Deshalb sind die meisten  Gebäude  aus der Zeit um 1800 herum. Herzog Christoph von Württemberg kam in der Mitte des 16. Jahrhunderts regelmäßig zur Kur nach Göppingen, um das Göppinger Sauerwasser zu nutzen. Er beauftragte den Baumeister Aberlin Tretsch (erbaute auch das Alte Schloss in Stuttgart),  ein Schloss zu bauen, das ihm bei seinen Aufenthalten als Wohnung dienen sollte. Dafür verwendete man  auch Steine der Ruine der Burg Hohenstaufen, dem Göppinger Hausberg.

Heute glänzt Göppingen mit seiner „Neuen Mitte“. Dort, wo früher die B 10 durchbrauste, ist heute Fußgängerzone und Innenstadt. Nachts ist Göppingen besonders schön beleuchtet. Göppingen ist einen Ausflug wert!