Hochwertige Steinhäuser statt Holz und Hinterhof: Die jüngsten Ausgrabungen  in der Essener Straße am Hallschlag haben Überraschendes hervorgebracht.

 

 

Eigentlich sind Dirk Krausse und Andreas Thiel vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart von einem Hinterhofareal ausgegangen, als die Ausgrabungen die ein Wohngebäude mit Tiefgarage an der Essener Straße erforderte im Mai diesen Jahres begangen. Doch weit gefehlt: Bereits in den ersten Grabungswochen stieß man auf etwa ein Meter starke Außenmauern eines großen Steinbaus, wie er für ein gut ausgestattetes sogenanntes „Streifenhaus“ römischer Ansiedlungen nördlich der Alpen typisch war.

Überraschend für die Experten, denn die aktuell untersuchte Fläche befindet weit entfernt vom Zentrum der einstigen römischen Siedlung entfernt, sodass man hier kein wohlhabendes Wohnviertel erwartet hat.  Die Grabungsfläche liegt von der Straße abgewandt, hinter den Wohn- und Geschäftshäusern der vor knapp 1900 Jahren hier lebenden Händler und Handwerker. Daher war man zunächst lediglich von einer leichten Bebauung in Holz- und Fachwerktechnik, wie Schuppen, Wirtschaftsbauten oder Latrinen ausgegangen.

Das zum Teil freigelegte Gebäude jedoch hat eine Weite von über acht Metern und könnte insgesamt 30 Meter lang gewesen sein. Nur wenig entfernt fanden die Grabungsmitarbeiterinnen und Grabungsmitarbeiter einen weiteren Steinbau, der eine Fußboden-/ Wandheizung und mehrfarbigen Wandverputz aufwies.

Bei diesem kleineren Gebäude dürfte es sich ebenfalls um ein luxuriös ausgestattetes Wohngebäude gehandelt haben. Die noch bis Monatsende laufenden Ausgrabungen liefern neben den oben genannten neuen Erkenntnissen zur Topografie auch weitere Hinweise zur Entwicklung und insbesondere zum Ende der antiken Siedlung auf dem Hallschlag im dritten Jahrhundert nach Christus.

 

 

Römisches Bad Cannstatt

Die Gründung der Ansiedlung steht im direkten Zusammenhang mit der erstmaligen Stationierung römischer Truppen am Mittleren Neckar um das Jahr 100 nach Christus.