Bündnis 90/Die Grünen sorgen sich um eine wachsende Gänsepopulation – Naturschutzbund sieht keinen Grund zum Einschreiten.

 

 

Es ist ein klassisches Sommerthema, und das schon im Frühjahr: Die Verschmutzungen durch Tiere im öffentlichen Raum. In diesem Fall nun durch Grau- und Nilgänse im Schlossgarten, im Killesbergpark oder am Max- Eyth-See. Die Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat das Thema nun via Antrag auf die Agenda gebracht. Ein Problem, das mit den Gänsen einhergeht, formulieren Bündnis 90/Die Grünen in ihrem Antrag, sei die zunehmende Verschmutzung der an die Gewässer angrenzenden Wiesen durch Kot. Diese könne nicht nur für die Nutzer der Wiesen unangenehm werden – der zusätzliche Nährstoffeintrag, könne zu einem „Kippen“ betroffener Gewässer beitragen.

In ihrem Antrag wollen die Gemeinderäte nun von der Stadtverwaltung wissen, wie sich die Gänsepopulationen in Stuttgart entwickelt, welche Probleme, zum Beispiel bezüglich der Aufenthalts- und Gewässerqualität und der Verdrängung anderer Arten, auftreten und welche Maßnahmen zur Kontrolle der Gansbestände eingesetzt werden. Für Ulrich Tammler, beim Naturschutzbund Fachbeauftragter für Vogelschutz, kein neues Thema. „Alle paar Jahre gibt es dazu Diskussionen.“ Was die Verschmutzung angeht, versteht er die Verärgerung. „Wenn man sich auf einer Liegewiese hinlegen möchte und die voller Kot ist, ärgert man sich eben“, sagt Tammler.

Eine Problematik mit kippenden Gewässern durch den Kot, sieht er allerdings nicht. „Gänse befinden sich die meiste Zeit auf den Wiesen und nicht im Gewässer, entsprechend landet dort auch der Kot“, so der Vogelexperte. Die Gänse von den Wiesen fernzuhalten sei allerdings eine schwierige Aufgabe sagt der Experte. „Wenn man die Wiesen wachsen ließe, würden die Gänse sie meiden, weil sie weite und offene Gebiete bevorzugen“, sagt Tammler – allerdings könnte man sie dann auch nicht mehr als Liegewiese nutzen. Die Grünen fordern in ihrem Antrag eine Eindämmung der Gänsepopulationen und schlagen verschiedene Möglichkeiten vor: Eientnahme, Ansiedelung von Höckerschwänen als natürliche Konkurrenten der Gänse, ein Fütterungsverbot sowie Öffentlichkeitsarbeit.

Vogelexperte Tammler kann sich mit diesen Vorschlägen nicht anfreunden: „Für eine Eierentnahme müsste man während der Brutzeit in ein Naturschutzgebiet eindringen und Höckerschwäne gibt es bereits hier sie haben scheinbar keine Einflüsse auf andere Getiere“, sagt Tammler. Überhaupt sieht er keinen Grund die Gänsepopulation anzugehen. „Die Gänsepopulation ist konstant in Stuttgart und dürfte bald gesättigt sein“, ist Tammler überzeugt: „Einen weiteren Anstieg wird es nicht geben.“ Der aktuelle Bestand liege laut Tammler bei rund 200 bis 300 Gänsen. Auch der Nabu und er würden sich zwar freuen, wenn die Liegewiesen kotfrei wären. Allerdings ist die aktuelle Population durchaus verkraftbar und ein richtiger Eingriff von daher nicht von Nöten. Eine bessere Öffentlichkeitsarbeit würde er allerdings unterstützen: „Wenn die Menschen weniger an den Wiesen füttern, würde das sicherlich zu einer Verbesserung beitragen“, sagt Tammler.

Auch im Rosensteinpark oder Killesbergpark tummeln sich die Gänse: Sollte die Stadt eingreifen oder gehören solche Nebeneffekte wie Kot dazu, wenn man eine naturnahe Stadt haben möchte? Schreiben Sie uns – Betreffzeile Gänse – Ihre Meinung mit vollständigem Namen und Stadtteil an wochenblatt@stzw.zgs.de.