Der erste Ausflug der Aktion „60plusTour“ führte die Gewinner in Friedrich Schillers Geburtsstadt Marbach am Neckar.

 

 

„Es ist der Geist, der sich den Körper baut.“ – 1759 erblickte Friedrich Schiller das Licht der Welt. Genauer gesagt  in der Niklastorstraße 31 in Marbach. Lange Jahre in Vergessenheit geraten, wurde sein Geburtshaus 1812 identifiziert, und die Schillerverehrung in Marbach nahm ihren Lauf. Am wohl bislang heißesten Tag des Jahres erkundeten  die Gewinner der Aktion „60plusTour“ vom Stuttgarter Wochenblatt und dem VVS vergangenen Mittwoch die Schillerstadt Marbach. Zehn Gewinner wurden ausgewählt, jeder von ihnen konnte noch eine  Begleitperson mitnehmen.

Bettina Wiesenauer begleitet die Teilnehmer an diesem Tag durch das Schiller-Nationalmuseum – 1903 eröffnet. Mit Leib und Seele für die Literatur  gibt Wiesenauer einen Einblick in das Leben des Dichters, seine Schriften, seine Werkstatt, seinen Horizont.  Das Museum beherbergt nicht nur seine ersten Handschriften und Werke im Original, sondern auch 44 Bücher aus seinem eigenen Besitz. Bücher, die er selbst gelesen hat – darunter auch ein Rezept für Quittenmarmelade seiner Mutter. Freiheit und Freundschaft sind die Themen, die den Schriftsteller bewegt haben.

„Das, was ich Ihnen heute zeige, ist ein Gruß aus der Küche. Essen müssen Sie alleine“, scherzt Wiesenauer. „Ich kann Ihnen nicht jedes einzelne Exponat vorlesen, denn lesen können Sie selbst. Ich gebe  Ihnen einen Überblick, schaffe Impulse“, regt die Museumsführerin an. Beeindruckt von Wiesenauers Leidenschaft und Euphorie für Schiller wird erst einmal eine Pause eingelegt. Nach dem Mittagessen im Jägers Restaurant Schillerhöhe steht schon Stadtführerin Dorothee Ensinger in den Startlöchern – trotz tropischer Temperaturen. „Ich werde Sie heute hauptsächlich durch den Schatten führen“, sagt Ensinger und lacht.

Tatsächlich startet die Stadtführung im Schatten der Schiller-Statue. Für eine Kleinstadt wie Marbach sei das Deutsche Literaturarchiv und damit das größte Archiv Deutschlands etwas ganz Besonderes. Wäre die deutsche Teilung nicht gewesen, wäre die Stadt Weimar, der Goethe zu Berühmtheit verholfen hat,  zur literarischen Kulturstätte geworden.

Während des Pfälzer Erbfolgekriegs 1693 wurde in Marbach fast alles niedergebrannt. 1700 kam der Wiederaufbau. „Marbach verlor an Bedeutung. Ohne Schiller wäre die Stadt niemals so berühmt geworden“, so Ensinger. Am vom Brand verschonten Torturm, dem Wahrzeichen von Marbach, lernen die Teilnehmer Tobias Mayer kennen. „Diesen Namen sollten Sie sich merken.  Er ist so wichtig wie Schiller“, betont die Stadtfüh­rerin. Der Autodidakt schrieb mit 16 Jahren die erste Stadtkarte von Esslingen, er wurde Professor an der Uni Göttingen und Leiter der Sternwarte. Sogar ein Krater auf dem Mond ist nach Mayer benannt. Weiter durch die Holdergassen, vorbei an der historischen Salzscheuer, endet die Tour am Geburtshaus von Karl Georg von Wächter – bis heute einer der größten deutschen Juristen.

„Sie haben jetzt Marbacher Luft geschnuppert. Das bleibt nicht ohne Folgen“, scherzt Ensinger und verabschiedet die Ausflugsteilnehmer.