Kulturelle Vielfalt erlebbar und sichtbar zu machen, ist das größte Anliegen des Forum der Kulturen Stuttgart. Auch 2017 schafft der in den letzten Jahren stark gewachsene Dachverband der Stuttgarter Migrantenvereine Bewegungsräume und ressourcen, um das interkulturelle Leben in der Stadtgesellschaft mitzugestalten.

 

 

Ein neues Jahr mit neuen Begegnungen

„Begegnungen mindern Vorurteile und ermöglichen gegenseitiges Verstehen“, so Graser. „Den Herausforderungen einer kulturell vielfältigen Stadtgesellschaft kreativ und konstruktiv zu begegnen und dabei stets das friedliche Miteinander aller in Stuttgart lebenden Menschen im Blick zu haben, ist das erklärte Ziel des Forums der Kulturen.“

Daher sollen auch 2017 Räume für diese geschaffen und Projekte, die in den letzten Jahren ins Leben gerufen wurden, weitergeführt werden: So auch das Sommerfestival der Kulturen, das kulturelle Vielfalt erlebbar und sichtbar macht. Hier wird gefeiert und geschlemmt durch die vielfältigen Angebote der Stuttgarter Migrantenvereine – inklusive einem inspirierenden Musikprogramm von Künstlern aus aller Welt. In diesem Jahr wird das Festival vom 11. bis 16. Juli wie gewohnt auf dem Marktplatz direkt beim Rathaus Stuttgart ausgerichtet.

Apropos Weltmusik: Ungewöhnliche Wege geht das Forum der Kulturen 2017 auch mit der neu gegründeten Ziryab-Akademie für Weltmusik. „Bei diesem Projekt treffen verschiedenste Musiktraditionen aufeinander mit professionellen und semiprofessionellen Musikern“, sagt Graser. „Dieses Format schafft Begegnungen – sozusagen ein Austausch-Lernprogramm“ Die Künstler verschiedenster Kulturen bringen ihre Prägung mit ein in das Stück.“ Wichtig sei hierbei, dass den Zuschauern keine „Misch-Masch-Fusion“ präsentiert werde, sondern Musikern unterschiedlichster regionaler und musikalischer Prägung begegnen sich, beschäftigen sich gemeinsam mit Rhythmen, Harmonien und Improvisationstechniken aus aller Welt und entwickeln daraus Neues. Treffpunkt für diese weltmusikalische Fortbildung ist das Kulturzentrum Laboratorium, ebenso wie für das bunt gemischte Theaterensemble des Forums.

Ein weiteres Festival steht 2017 auf dem Programm: Vom 22. bis 26. November schließen sich gleich acht Stuttgarter Theater mit dem Forum der Kulturen zusammen, um für das interkulturelle Theaterfestival „Made in Germany“ herausragende Theaterproduktionen, die sich mit der Migrationsgesellschaft Deutschlands auseinandersetzen, nach Stuttgart zu holen. Das Besondere: Das Programm wird wie beim letzten Festival 2015 von einer Bürgerjury aus theaterinteressierten Stuttgartern ausgewählt.

Austausch statt Auseinanderdriften

Der Gefahr des Auseinanderdriftens unserer Gesellschaft setzt das Forum der Kulturen Stuttgart e. V. kulturelle Angebote entgegen, die Begegnungen ermöglichen und das Miteinander fördern.

Eine Begegnung der besonderen Art fand im Oktober 2016 statt: der „brunch global“, der interkulturelle Frühstückstreff des Forums, der in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag feiert, gastierte an den Staatstheatern Stuttgart. In einer einmaligen Kooperation mit allen Sparten der Staatstheater entstand ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk: Beiträge von Stuttgarter Migrantenvereinen hatten gleichwertig ihren Platz auf der großen Bühne des Stuttgarter Opernhauses wie Aufführungen des Stuttgarter Balletts, Opernarien oder die tagesaktuelle Ringparabel aus „Nathan der Weise“. Am 21. Mai findet der nächste „brunch global“ statt, diesmal gastiert er im Landesmuseum Württemberg.

 

Ressourcen für gesellschaftliches Engagement

2016 wurde außerdem die Stärkung der zahlreichen Migrantenorganisationen stark ausgebaut, auch personell. So zeichnen inzwischen zehn Mitarbeiter des Forums für Weiterbildung, Beratung und Förderung dieser bürgerschaftlich aktiven Migrantenorganisationen verantwortlich – sei es in Fragen von Schule und Bildung, Entwicklungspolitik, Gesundheit oder Kultur, um nur einige der Bereiche zu nennen, in denen Stuttgarter Migrantenvereine aktiv sind. Ganz neu ist hierbei auch das Projekt „samo.fa“, das Migrantinnen und Migranten berät und unterstützt, die sich für Geflüchtete engagieren.

Materielle Unterstützung erhalten die Vereine vor allem über das „House of Resources“, ein Förderkonzept für bürgerschaftlich Engagierte, das 2016 erfolgreich an den Start ging und 2017 das Zentrum der Förderpolitik des Forums bildet. „Den Vereinen werden unbürokratisch, anlassbezogen und passgenau die Ressourcen zur Verfügung gestellt, die sie für ihr Engagement benötigen“, erzählt Graser. „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge war auch überzeugt: In 14 weiteren Kommunen Deutschlands kommt dieses nun zum Einsatz.“ Ab 2017 wird das Engagement von Migrantenorganisationen zusätzlich verstärkt durch „ProMiS“, ein praxisbezogenes Ausbildungsprogramm für Promotoren, die qualifiziert werden, Vereine und deren Mitglieder zu motivieren, sich in verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen bürgerschaftlich zu engagieren. Zugleich befähigt „ProMiS“ diese Vereinsaktiven, sich und ihre migrantischen Perspektiven stärker und effektiver auch in politischen Gremien einzubringen.

 

Wunsch nach größeren Räumlichkeiten

Was dem Dachverband für Migrantenorganisationen in Stuttgart sehr am Herzen liegt: „Wir hoffen sehr, dass wir auch bei der Stuttgart-21-Umgestaltung berücksichtigt werden und wir endlich ein interkulturelles Zentrum bekommen“, sagt Sami Aras, erster Vorsitzender vom Forum der Kulturen. Die Stadt Stuttgart würde damit ein klares Zeichen setzen, um zu zeigen, dass Vielfalt und Interkulturalität eine Bereicherung für unsere Stadt sind.“ In den letzten Jahren ist der Dachverband der Stuttgarter Migrantenvereine stark gewachsen: „Die Mitarbeiterschaft mehrt sich stetig, doch die Räumlichkeiten im Europahaus sind viel zu klein.“