Ein gewaltiger Kraftakt war es vom Kulturhausverein und dem Bürgerverein Untertürkheim den Preis komplett eigenständig auf die Beine zu stellen – umso beeindruckender, dass die Beteiligten nicht aufgegeben haben und nun 2016 erstmalig, den „Albert-Dulk-Preis“, benannt nach dem vielleicht bekanntesten Untertürkheimer, vergeben und einen renommierten Künstler wie Pablo Wendel nach Untertürkheim locken konnten.

 

 

Der Name Pablo Wendel ist vielleicht nicht jedem geläufig, wenn man auf seine bislang bekannteste Aktion zu sprechen kommt, folgt das obligatorische: Ach, der ist das. Genau der, der die chinesischen Sicherheitsbehörden genarrt hat und zum Teil der weltberühmten Terrakotta-Armee wurde. Nicht fehlen durfte von daher am Abend der Preisverleihung die Präsentation des Videoclips von der berühmtesten Aktion des Künstlers, die es bis die Tagesthemen geschafft hat. Im Jahr 2006 wollte Wendel, austesten was passiert, wenn man im Museum nicht etwas entwendet, sondern hinzu stellt. Ausgesucht hat er sich als Ort des Geschehenes die weltberühmte Terrakotta-Armee im chinesischen Xi’an. Das Video, gefilmt von seinen Helfern, dokumentiert die skurrile Situation in Xi’an, wie sich Wendel als Terrakotta-Soldat verkleidet einfach mit in die Armee stellt, und die erste Überforderung der Sicherheitsbehörden vor Ort. Die Konsequenzen der Aktion wurden im Nachhinein von Wendel selbst erläutert: „Die chinesischen Behörden haben für mich überraschend sehr modern reagiert“, so Wendel. Bereits kurz nach seiner Verhaftung sind sie mit einer Pressekonferenz breit angelegt an die Medien gegangen und haben die Aktion in China bekannt gemacht, bevor andere Medien darüber berichten konnten. Von China aus schwappte die Nachricht hinaus in die Welt, bis in die deutschen Tagesthemen.

Und mit dieser Aktion passte Pablo Wendel genau in das Beuteschema der Jury des Albert-Dulk-Preises. „Anfangs haben wir uns sehr schwer getan bei einer so vielschichtigen Persönlichkeit wie Albert Dulk einen Aspekt herauszunehmen nach dem wir den passenden Künstler finden sollen“, sagt Rainer Deiss, Vorsitzender des Kulturhausvereins. Das Ergebnis war schließlich der Überbegriff „Grenzen überschreiten“. „Denn wer in der heutigen globalisierten Welt Grenzen überschreiten will, muss gleichzeitig Brücken bauen“, so Deiss. Und dafür sei Pablo Wendel mit seiner Performance ein ideales Beispiel. Nicht nur für seine Aktion in China sondern auch für vieles was hinterher folgte. Aktuell macht Wendel vor allem mit seiner gegründeten Gesellschaft „Performance Electrics“ von sich reden. Mit teils spektakulären Aktionen produzieren Wendel und sein Team Kunststrom, den sie in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Wendel selbst war von der Ehrung sehr begeistert: „Zugegebenermaßen kannte ich Albert Dulk zuvor nicht“, so Wendel. Als er sich jedoch, nachdem er von der Ehrung erfahren hatte, über Dulk informierte, stellte er doch eine Verbindung zum Namensgeber fest. „Seit kurzer Zeit fliege ich im Esslinger Aero-Club“, so Wendel. Beim Landeanflug auf den Esslinger Segel-Flugplatz hat er sich bislang immer an einer kleinen Hütte an der Landebahn orientiert. Für alle Dulk-Kenner klar ersichtlich. Das Esslinger Albert-Dulk-Haus.

Außerdem geehrt an diesem Abend wurde die ehemalige Stadträtin Ulrike Küstler mit dem lokalen Sonderpreis „Der mit de frei Fraua“. Der Preis ist für nur für ortsansässige Personen aus Untertürkheim vorgesehen. Küstler wurde für ihre „politische“ Kunst geehrt, seit langer Zeit setzt sie sich im und außerhalb des Gemeinderates für Recht auf Bildung, die Rechte der Frauen, Flüchtlinge, die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und noch vieles mehr ein.


INFO

Weitere Informationen rund um den Preis, den Namensgeber, die Hintergründe, die Preisträger und die Jury gibt es im Internet unter www.albert-dulk-preis.de. Der Preis soll künftig im Drei-Jahres-Rhythmus vergeben werden. Obwohl es noch eine Weile hin ist, steht die nächste Preisvergabe bereits fest: Am 17. Juni 2019, der 200. Geburtstag von Albert Friedrich Benno Dulk.