Viele Jahre hat die Initiativgruppe Stadtgeschichte für ein Museum gekämpft – mit Erfolg, aber noch lange kein Grund, jetzt die Beine hochzulegen.

 

 

Eigentlich könnten die Damen und Herren um Wolfgang Müller sich zufrieden zurücklehnen. Vor 18 Jahren haben sie begonnen sich für ein Stadtmuseum einzusetzen. Sie bildeten eine Initiativgruppe kämpften in vielen Gremien und um politischen Rückhalt und können nun stolz auf das neu eröffnete „Stadtpalais – Museum für Stuttgart“ in zentraler Lage blicken. Mit Zurücklehnen haben sie es aber nicht so, deshalb haben sie aus der einstigen Initiative den Verein Arbeitsgemeinschaft Stadtgeschichte Stuttgart (AgS) gegründet. „Es gibt noch viel zu tun“, fasst Müller die Situation zusammen. Denn für ihn und seine Mitstreiter besteht Geschichte nicht nur aus den zentralen Geschehnissen in Stuttgart, sondern aus vielen kleinen Mosaiksteinen, wie sie in den einzelnen Stadtbezirken vorgefallen sind. Besonders deutlich wird das zum Beispiel sogenannten Tag der Stadtgeschichte, der in diesem Jahr zum 13. Mal stattfindet.

Am 24. November ist man mit dem Tag nun erstmalig im „Stadtpalais“ zu Gange. Das Thema, passend zum Jahrestag: Die Novemberrevolution 1918. Und die hat sich nämlich nicht einfach auf dem Schlossplatz abgespielt, sondern an vielen Orten in der Stadt. „In Degerloch wurde die Zeitung ,Rote Fahne’ gedruckt, in Untertürkheim haben sich die Arbeiter gesammelt“, nennt Ulrich Gohl, Geschäftsführer des Museumsvereins Muse-O im Stuttgarter Osten einige Beispiele. Auf all diese Themen soll in kurzen Vorträgen, die in den unterschiedlichen historischen Einrichtungen der Stadtbezirke entstehen, eingegangen werden. Eine Arbeit, die ein zentrales Museum nur sehr schwer leisten kann.

„Von daher ist es eine wichtige Aufgabe des neuen Vereins, die historische Arbeit in den Stadtbezirken zu stärken“, sagt Müller. Von diesen Einrichtungen gibt es nämlich viele. Insgesamt 21 zählt Müller auf, die großen Teilen auch schon Mitglieder im neu gegründeten Verein sind. Am Oberen Neckar sind da vor allem die Arbeit des Bürgervereins Untertürkheim/Rotenberg mit seinem Ortsmuseum bekannt oder das „Alte Haus“ in Hedelfingen mit seinen jährlichen Ausstellungen. „Zwischen den vielen Vereinen gibt es viel Luft nach oben, was die Vernetzung angeht“, ist Gohl überzeugt. Auch bei der Öffentlichkeitsarbeit: Viele kennen vielleicht noch die Ortsmuseen aus dem eigenen Stadtteile, die aus den anderen Bezirken aber schon weniger.

Doch will die AgS nicht nur die wichtige Arbeit in den Stadtbezirken stärken, sondern auch das Bewusstsein für Geschichte im Allgemeinen. Dafür hat man sich hohe Ziele gesteckt: Ein Platz im Ausschuss für Kultur und Medien und eine eigene Geschäftsstelle. „Dies ist notwendig, um sich weiter zu professionalisieren zu können“, sagt Gohl. Diese sei laut der AgS auch dringend notwendig, um gute Lobby-Arbeit für das Geschichtsbewusstsein in der Stadt leisten zu können. Denn was zum Beispiel diverse Fördermöglichkeiten angeht, würden die nicht mal ansatzweise von vielen historischen Vereinen und Einrichtungen genutzt.

Auch zu aktuellen zum Beispiel städtebaulichen Themen will man als Verein künftig Stellung nehmen: „Geschichte strahlt in die Gegenwart und auch in die Zukunft“, betont Helmut Gerber, Historiker und Teil des neuen Vorstandes der AgS. Und in Stuttgart sei die historische Komponente bislang oft zu kurz gekommen.

 

Internet

Mehr zum neuen Verein Arbeitsgemeinschaft Stadtgeschichte Stuttgart gibt es im Internet unter www.ags-s.de.