Das „Gaisenhaus“ ist augenblicklich das letzte verbliebene Stadtteil- und Familienzentrum, das noch komplett selbstverwaltet ist – erst im Laufe des Jahres wird der erste hauptamtliche Mitarbeiter mit an Bord gehen. Ehrenamtliche werden trotzdem weiter gebraucht – und Christiane Schomburg wird sicher dazugehören.

 

 

Vor über zehn Jahren wurde das „Gaisenhaus“ in der Hornbergstraße 99 eröffnet. Wobei der Name „Haus“ zunächst irritiert, denn eigentlich war es eine Wohnung in der Hornbergstraße 99, organisiert von der evangelischen Kirchengemeinde, die als Familienzentrum dienen sollte. Entstanden aus einer Arbeitsgruppe des „Runden Tisch Gaisburg“, war Christiane Schomburg schon bei der Begründung mit dabei. „Wir waren damals eine kleine Krabbel-Gruppe, die von zwei Müttern gegründet wurde“, erinnert sich Schomburg.

Der Bedarf an gemeinsamen Räumlichkeiten war groß und auch Vorbilder gab es, wie das „Ekiz“ im Stuttgarter Westen oder das Mütterzentrum in Heslach, damals ebenfalls selbstverwaltet. Nach einer mehrmonatigen Renovierungsphase, die ebenfalls auf dem hohen ehrenamtlichen Engagement vieler Gaisburger Personen und Betrieben basierte, konnte das kleine Familienzentrum 2006 offiziell eröffnet werden. Klein aber fein war es schon immer, das Programm wuchs aber trotzdem schnell: Krabbelgruppe, Eltern-Kindgruppen, Mini-Kindergarten, musikalische Früherziehung, dazu ein großes Engagement zum Beispiel bei Stadtteilfesten. Christiane Schomburg war immer mit dabei, leitete das Team von Ehrenamtlichen auch noch als ihre Kinder selbst schon längst der Zielgruppe entwachsen waren und sie auch wieder berufstätig war. Nachdem zwischenzeitlich eine andere Mutter die Leitung innehatte, ist Schomburg seit 2012 wieder als Leiterin engagiert. Und sogar ihre Kinder packen mit an: „Mein Sohn hat einen Kochkurs angeboten, die anderen einen Babysitterkurs mitgemacht“, freut sich Schomburg über das Engagement der eigenen Kinder.

Bei aller Liebe zur „Gaisenhaus“ hat das Team um Schomburg in den vergangenen Jahren aber vermehrt festgestellt, dass es allein mit Ehrenamt nicht mehr geht. „Die Eltern steigen nach der Geburt wieder früher in den Beruf ein und haben einfach anderes im Kopf als sich ehrenamtlich in einem Familienzentrum zu engagieren.“ Umso mehr freut es Schomburg, dass ab 2017 nun die Gelder zumindest für eine halbe Stelle genehmigt wurden. Das Gaisenhaus ist inzwischen interimsweise bei der Herz-Jesu-Gemeinde in der Schurwaldstraße untergekommen, im Sommer steht der nächste Umzug an, bevor es, so hofft Schomburg, spätestens 2020, spätestens in die neuen Räumlichkeiten zurück in die zentral gelegene Hornbergstraße geht. Hauptamtliche Mitarbeiter hin oder her – Schomburg selbst wird bei diesem Umzug sicher auch noch dabei sein. Für sie ist das Engagement selbstverständlich, auch wenn sie keine eigenen Kinder mehr hat, die davon profitieren können. „Man fühlt sich immer da wohl man selbst mitgestalten kann“, sagt sie über ihre Aufgabe im Gaisenhaus – und für diese Einstellung und ihr Engagement wurde sie nun von der Stadt Stuttgart mit der Ehrenmünze ausgezeichnet.

Weitere Informationen rund um das Gaisenhaus und dem aktuellen Programm gibt es auch im Internet unter www.gaisenhaus.de.