Es ist immer wieder überraschend, wie effektiv auch der kleinste Raum genutzt werden kann. Wo früher das Toiletten-Häuschen für das nebenliegende ehemalige Schulhaus in der Gablenberger Hauptstraße 130 war, ist heute eine vollausgestattete Fahrradwerkstatt mit ehrenamtlichen Hobby-Radlern, die bei allen kleinen und großen Rad-Problemen zur Seite stehen.

 

 

Der eigentliche Sinn der Fahrradwerkstatt ist „Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Thomas Szotowski, einer der ehrenamtlichen Biker. „Wir stellen das Werkzeug und unser Know-How zur Verfügung, damit jeder selbst sein Fahrrad wieder in Schuss bringen kann.“ In 50 Prozent der Fälle klappt das auch so. Bei den anderen 50 Prozent wird der Selbsthilfe ein wenig oder auch wenig mehr unter die Arme gegriffen. „Dann sprechen wir durch, welche Ersatzteile möglicherweise benötigt werden und schrauben alles wieder zusammen“, sagt Szotowski. Die Reparaturen in der kleinen Werkstatt decken das komplette Spektrum ab: Vom einfachen Platten bis zum komplizierten technischen Eingriff. „Manchmal hören wir auch, der Händler hat gesagt, das lohnt nicht mehr, wegschmeißen – und doch findet sich dann eine Lösung.“ Wenn doch gar nichts mehr geht, wird ausgeschlachtet und das Ersatzteillager der Werkstatt so erweitert.

Seit 2005 ist die Werkstatt auf Ehrenamtsbasis aktiv. „Damals hat eine Fahrrad-Werkstatt in der Gablenberger Hauptstraße geschlossen. Doch auf diese Weise sollten die Gablenberger ihre Räder auch weiter reparieren können“, sagt Szotowski. Und die Nachfrage ist groß: Ob jetzt Kinder aus dem benachbarten Karamba Basta, Familienväter oder Rentner.

Ganz neu im Programm ist eine sogenannte „Mobile Fahrradwerkstatt“, die sich gerade im Aufbau befindet, aber auch schon im Stadtbezirk unterwegs ist. „Es gibt auch immer eine gewisse Hemmschwelle zu uns zu kommen, dies wollen wir mit der mobilen Werkstatt umgehen“, erklärt Szotowski. Mit dieser will man dann zum Beispiel Vereinen, Schulen, Institutionen aber auch Privatpersonen unterstützen. Vielleicht zur Vorbereitung eines Schul- oder Betriebs- Familienausfluges, zum Einsatz im Unterricht. „Damit können wir aber auch an Plätzen präsent sein, die zum Beispiel viel von Jugendlichen frequentiert werden“, hofft Szotowski. Überhaupt lege man in der Fahrradwerkstatt viel Wert auf den sozialen Auftrag. „Wir wollen natürlich auch Leute ansprechen, die ihr Fahrrad eben nicht zum Fachhändler zur Reparatur bringen können“, sagt Szotwoski. Für die bedeutet ein Schaden am Fahrrad im Normalfall: Dann muss es halt im Keller bleiben. „Dabei sind auch in der Stadt viele Leute auf das Rad angewiesen.“

Von ihren Einsatz für zwei Räder profitieren natürlich auch die umliegenden Einrichtungen: „Der Fuhrpark vom gegenüberliegenden Karamaba Basta wurde mehr oder weniger komplett von uns eingerichtet“, sagt Szotwoski. Auch die neue Unterkunft im Klingenbach für die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge hat schon von der Arbeit profitiert.

Doch in der Fahrradwerkstatt wird nicht nur geschraubt. In den Sommermonaten werden gemeinsame Radtouren unternommen, mal raus in die Region, mal aber auch um neue Strecken in der Stadt kennenzulernen. „Viele Leute wissen gar nicht was für tolle Strecken es auch in Stuttgart gibt – auch ganz ohne wilde Steigungen“, lacht Szotowski. Auch präventiv wird bei der Fahrradwerkstatt gearbeitet. „Wir bieten regelmäßig kleine Kurse an, wie ich mein Fahrrad richtig in Schuss halte und wie ich kleinere Reparaturen zu Hause erledigen kann.“

 

INFO

Das Team von der Fahrradwerkstatt ist jederzeit auf der Suche nach Technik-affinen Fahrrad-Fans, die sich auch vorstellen könnten, sich in Gablenberg zu engagieren und beispielsweise bei den Öffnungszeiten präsent zu sein und beim Reparieren der Fahrräder zu helfen. Wer Interesse hat, oder auch andere Fragen zu Terminen oder vielleicht direkt zu seinem Fahrradproblemen kann sich jederzeit per Mail melden unter gablenberger-radwerkstatt@web.de. Oder einfach vorbeikommen. Die Fahrrad-Werkstatt hat von April bis August immer Mittwoch von 17 bis 19 Uhr, sowie Samstag von 9 bis 12 Uhr geöffnet. In der Winterzeit von September bis März ist nur Mittwoch von 17 bis 19 Uhr geöffnet. In den Schulferien und an Feiertagen ist geschlossen. Die Samstags-Öffnungszeiten beginnen am 29. April.