Esel im Gottesdienst – das haben die Besucher der Friedenskirche noch nie erlebt: Patrizia und Frederick von der Reit-Therapie der Diakonie in Stetten treten auf.

 

 

Frederick und Patrizia scheinen nichts zu ahnen. Am kommenden Sonntag ist Palmsonntag. Die beiden Esel stehen ruhig und stoisch im Stall der Diakonie Stetten. Die beiden Tiere werden dort in der Reit-Therapie eingesetzt. Sie tun den behinderten Menschen in der Diakonie gut, sie werden von ihnen viel gestreichelt und zuweilen auch geritten. In einer Kirche waren Frederick und Patrizia noch nie.

Das wird sich am Sonntag ändern. Dann ist Palmsonntag und auf die beiden Grautiere wartet eine ganz besondere Mission. Pfarrer Thomas Rapp von der evangelischen Friedenskirche will sie beim Gottesdienst vor und dann auch in der Kirche dabei haben, den Palmsonntag also mit „echten Palmeseln“, in dem Fall im liturgischen Sinne, begehen. Deshalb hat er bei der Diakonie in Stetten angefragt, ob er von dort Tiere bekommen könne. Er kann. Frederick und Patrizia wurden ihm zugesagt.

Der Palmesel gehört bei der Palmprozession am Palmsonntag dazu. Mittlerweile allerdings meist nur noch in Erzählungen und den Texten der Liturgie. Der Palmsonntag wird sowohl in der katholischen als auch der evangelischen Kirche gefeiert, er ist der Auftakt zur Karwoche. Die Palmprozession mit grünen Zweigen und feierlichen Liedern erinnert dabei an den festlichen Einzug Christi in Jerusalem. Er saß damals auf dem Rücken eines Esels.

In einigen Pfarreien, meist im ländlichen Raum, reitet deshalb der Pfarrer auch heute noch am Palmsonntag bei der Prozession auf einem Esel mit. Das wird am Sonntag im Stuttgarter Osten nicht der Fall sein. Pfarrer Thomas Rapp geht ganz normal zu Fuß. „Die Esel können in diesem Umfeld nicht beritten werden“, bittet man aus der Reit-Therapie in Stetten um Verständnis. Das respektiert Pfarrer Rapp natürlich, er freut sich, dass er die Tiere überhaupt „ausgeliehen“ bekommt. Dass das möglich ist, weiß er aus seiner Zeit als Pfarrer in Endersbach, damals kam er mit der Diakonie in Kontakt.

Am Sonntag ist nun vorgesehen, dass „Kinder, Eltern Großeltern, Junge und Alte“ mit Palmzweigen in den Händen zunächst singend um die Kirche ziehen und dann zum Gottesdienst in die Kirche gehen. Die Esel sind sowohl draußen als auch drinnen dabei und sollen während der Messfeier am Taufbecken stehen. Der „Erlebnisgottesdienst für Groß und Klein“ beginnt um 10 Uhr – und wer zu spät kommt, der ist der „Palmesel“. Aber das ist ein anderes Thema und trifft nur auf die zu, die am Sonntag verschlafen.

 

 

Palmsonntag

Der Palmsonntag eröffnet die Karwoche. Nach dem Gottesdienst am Palmsonntag schweigt übrigens die Orgel, bis zum Morgen des Ostersonntags.