Niels Hahn ist im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP) als Bibermanager tätig. Auf Spurensuche nach dem Biber an den Ufern des Neckars in Plochingen.

 

 

Dort, wo die Fils in den Neckar mündet, findet eine Biberfamilie einen idyllischen Lebensraum: „Mensch und Tier leben hier friedlich nebeneinander“, betont Niels Hahn, Bibermanager des RP Stuttgart. Biberspuren finden sich entlang des Ufers fortlaufend, Nagespuren an Weiden und anderen Gehölzen sowie Gräben für den Aus- und Einstieg aus dem Wasser verraten die Anwesenheit des größten Nagetiers in Deutschland.

Etwa 240 Reviere gibt es im Regierungsbezirk Stuttgart, in jedem lebt eine Biberfamilie mit vier bis fünf Tieren. Das war nicht immer der Fall. Die Biber waren Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausgerottet. Ihr Fell, das sehr dicht ist, war eine begehrte Ressource und Jagdtrophäe. Das Biberfleisch wurde als „erlaubte“ Fastenspeise genutzt. Noch wichtiger war das Bibergeil, ein Sekret, das der Biber zur Reviermarkierung nutzt. „Es galt in der Medizin als Allheilmittel und wurde mit Gold aufgewogen", erklärt Hahn.

Biber bauen Burgen und Dämme, fluten mit Letzteren manches Feld der Landwirte, nagen die Rinde der Bäume und bedienen sich auch an ungeschützten Maisfeldern. Das trägt zu Konflikten bei, in denen unter anderem Bibermanager mit Fachkenntnis zu vermitteln versuchen. Viele Konflikte lassen sich mit einfachen Lösungen abhelfen. „Das können sogenannte ‚Drahthosen’ zum Schutz der Bäume oder Elektrozäune für Felder sein.“ Die allermeisten Konflikte würden aber gar nicht erst entstehen, wenn „Menschen den Gewässern mehr Platz geben, wo immer dies möglich ist“, sagt Hahn.

Der Biber ist durch sein Verhalten ein wichtiger Landschaftsgestalter: Weiden finden durch Verbiss rasch neue Triebe, sodass dichte Uferbüsche entstehen. Die Umgestaltung der Gewässer schützt vor Hochwasser und verbessert die Wasserqualität. Der Bibermanager sagt: „Der Biber trägt entscheidend zur Bereicherung der Natur bei. Er sorgt beispielsweise dafür, dass durch gefällte Bäume neuer Unterschlupf für andere Tiere entsteht, ist sozusagen Motor der Artenvielfalt im und entlang unserer Gewässer.“

 

 

Bibermanagement

Bibermanager der Regierungspräsidien und insbesondere die ehrenamtlichen Biberberater und Ansprechpartner in den Naturschutzbehörden schlichten Konflikte dort, wo die land-, forst- oder wasserwirtschaftliche Nutzung zu eng an die Biberaktivitäten in und entlang der Gewässer herangerückt ist. Aufgaben sind: Information, Beratung und Überwachung der Biberreviere und Schadenspräventionsmaßnahmen.