Derzeit inszeniert die Theaterregisseurin das Märchen „Zwei Tauben für Aschenputtel“, das ab 28. November in der Komödie im Marquardt zu sehen ist.

 

 

Welche Charaktereigenschaften sie auszeichnen? Catja Baumann rührt ein wenig ratlos im Latte macchiato, dann hellt sich ihre Miene auf. „Ich bin extrem neugierig, mag mit Menschen zu tun haben und spiele für mein Leben gern, in jeder Hinsicht!“ Trotz letzterer Passion rückt das Theater erst in den Fokus, als der ursprüngliche Plan, Tierärztin zu werden, an ethischen Zweifeln scheitert. „Regisseurin“ heißt das neue Ziel, denn es ist der Entstehungsprozess, der Baumann fasziniert: „Im Theater treten Schauspieler und Regisseur mit Zuschauern in einen Dialog, jede einzelne Person erzeugt eine ganz eigene Dynamik. Das ist im Hinblick auf die Entwicklung des Stücks reizvoll und sorgt dafür, dass Inszenierungen bis zur letzten Vorstellung leben.“

Erste Berufserfahrungen sammelt die heute 39-Jährige als Regieassistentin unter anderem am Staatstheater Stuttgart, assistiert Größen wie Volker Lösch, Claudia Bauer und Harald Schmidt. Es sei eine aufregende, sehr lehrreiche Zeit gewesen, erinnert sie sich, doch nach vier Jahren „in der Mühle“ hat sie genug. Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, gleicht einem Befreiungsschlag. „Wer diesen Beruf anstrebt, weiß, dass es früher oder später auf Freiberuflichkeit hinausläuft. Mir war wichtig, die Entscheidung bewusst und zu einem für mich günstigen Zeitpunkt zu treffen.“

Der Erfolg gibt der gebürtigen Tübingerin recht: Sie erhält erste Inszenierungsaufträge in Stuttgart, Heidelberg und Neuss, übernimmt ein Jahr später die künstlerische Leitung der Spielstätte Nord. „Ich verstehe es als Privileg, mich mit Inhalten auseinandersetzen zu dürfen und diese Auseinandersetzung dann als Inszenierung auf einer Bühne vor Zuschauern zur Diskussion zu stellen. Für mich ist es dabei so spannend wie notwendig, die eigenen Ansichten stets neu zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen.“

Es folgen Aufträge in ganz Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus – auf der einen Seite eine willkommene Bestätigung, auf der anderen eine physische und intellektuelle Herausforderung. Erst eine Krankheit zwingt den Workaholic zum Innehalten. Auf der Suche nach Wegen aus dem Dilemma erinnert sie sich ihres alten Hobbys, das Reiten. „Der intensive Umgang mit Pferden hat mich vieles wieder gelehrt, das In-mich-Reinhören, das Wahrnehmen, das Zulassen, kurz: das Spielen.“ Diese Erfahrungen möchte sie weitergeben, macht eine Ausbildung zum pferdegestützten Coach.

Schnell entwickelt sich ein zweites berufliches Standbein: Seit nunmehr vier Jahren unterstützt sie Menschen auf dem Weg, die eigenen Ziele umzusetzen. „Neben Coachings übernehme ich ein bis zwei Theaterproduktionen pro Jahr, der Rest meiner Zeit gehört meiner Familie. Dennoch wären ohne die Unterstützung meiner wunderbar flexiblen Eltern Berufstätigkeit und Familie kaum vereinbar“, so die Mutter einer Eineinhalbjährigen.