„Stuttgart hat ein grandioses Publikum“, meint der Festival-Chef der Französischen Filmtage.

 

 

Sein Vater Horst Buchholz war einer der ganz großen Stars im deutschen Nachkriegskino, galt nach seiner Rolle des Rebellen in „Die Halbstarken“ (1956) gar als „der deutsche James Dean“. Sohn Christopher kommt 1962 in Los Angeles zur Welt, wächst größtenteils in Frankreich auf und schlägt später gleichfalls den Weg als Schauspieler ein. Für seine erste Rolle als Papst-Attentäter in „Das Attentat“ bekommt er 1986 gleich einen Preis als bester Nachwuchsschauspieler. Es folgen Serien-Auftritte in „Das Erbe der Guldenburgs“ bis „Mord war ihr Hobby“.

Auch Regie-Größen wie Michelangelo Antonioni, Volker Schlöndorff oder Peter Yates engagieren den Sohn von „Hotte“. 2010 wird Buchholz als Leiter der Französischen Filmtage Tübingen Stuttgart berufen. „Ich wollte schon früher in unserem Familienhaus in den Schweizer Bergen ein Horrorfilm-Festival im Winter veranstalten. Mit Fakel-Skilauf und Monster-Masken“, erinnert sich der Cineast. Aus der Idee wurde damals nichts, immerhin hat Buchhholz für sein frankophiles Filmfest einen Gorilla zum ungewöhnlichen Festival-Maskottchen erkoren. Zum mittlerweile 36. Mal finden die Filmtage (vom 30. Oktober bis 6. November) parallel in Tübingen und Stuttgart statt, rund 2000 Besucher lockt das Programm in der Landeshauptstadt.

„Stuttgart hat ein grandioses Publikum“, schwärmt der Festival-Macher. Komödien lägen natürlich ganz vorne in der Gunst, aber es gäbe eben auch großes Interesse für Dokumentarfilme und anspruchsvolle Filmkunst. Im Unterschied zu anderen Festivals seien Glamour, Promis und Blitzlichtgewitter zweitrangig: „In Deutschland kennt man aus Frankreich ohnehin nur die 3 Ds: Deneuve, Delon und Depardieu“, sagt Buchholz lachend, der statt auf Stars lieber auf Entdeckungen setzt und jungen Regisseuren eine Bühne bietet. Zur Eröffnung steht der Oscar-Kandidat der Grande Nation auf dem Programm: „Les Misérables“, ein radikales Debütwerk, das mit atemberaubendem Tempo vom tristen Leben samt alltäglicher Gewalt in den Pariser Vorstädten erzählt und in Cannes frenetisch gefeiert wurde.

„2019 ist ein großartiger Jahrgang“ verspricht Buchholz, dessen Festival diesmal ganz im Zeichen der Künstlichen Intelligenz steht. Als besonderen Leckerbissen gibt es am 4. November im „Metropol“ ein Livekonzert zum Klassiker „Metropolis“ von Fritz Lang. Nicht nur dafür empfiehlt der Festivalchef frühzeitiges Reservieren. Welchen Stellenwert das Stuttgarter Festival für die Franzosen hat, zeigt sich daran, dass der neue Kultur­attachée der Botschaft aus Berlin anreisen wird. Ebendort erhielt Buchholz vor sechs Jahren auch seinen Ritterschlag und wurde zum Chevalier des Arts et des Lettres gekürt.

Die offizielle Eröffnung der Französischen Filmtage findet am Donnerstag, 31. Oktober, im Arthaus-Kino Delphi in Stuttgart um 19.30 Uhr statt und startet gleich mit einem Highlight – „Les Misérables“, mittlerweile von Frankreich für die Oscar-Nominierung eingereicht. Weitere Informationen: www.filmtage-tuebingen.de.