Unter Federführung des neuen Geschäftsführers ist die Speisemeisterei erstmals auf dem  Weindorf vertreten.

 

 

„Das Konzept der Speisemeisterei ruht auf drei Säulen: Gourmetküche, Event-Location und Bistro mit hochwertiger regionaler Küche“, erklärt Alexander Scholz, während er mit flotten Schritten den Speisesaal durchmisst. „Auf dem Weindorf möchten wir das Augenmerk unserer Gäste verstärkt auf Letzteres richten.“

Entspannt lehnt er sich  zurück; sein blaues Sakko und das blau-weiß gestreifte Hemd harmonieren hervorragend mit dem Blau der Sitzgruppe. Allerdings dürften sich die Gäste neben selbst gemachten Kalbsmaultaschen und Zwiebelrostbraten von der Färse auch auf ein Gericht von Sternekoch Stefan Gschwendtner als besonderes Schmankerl freuen, sagt  der 48-Jährige lächelnd, der den damals  insolventen Gourmettempel im Sommer 2018 gemeinsam mit Jochen Bayer übernommen hat.

Der Sprung ins kalte Wasser fiel schwer, gibt er zu: „Ich hatte keine Erfahrung mit der Sterne-Gastronomie und war entsprechend skeptisch.“ Letztlich gibt das Potenzial der Location den Ausschlag –  eine Entscheidung, die sich bezahlt gemacht hat, so die persönliche Bilanz nach einem Jahr.

Der gebürtige Cannstatter ist in der Gastro-Szene kein Unbekannter, seit er vor über 20 Jahren mit dem legendären Club Prag Stadtgeschichte schrieb. Eigentlich ein Zufall, denn ursprünglich plante der damals 26-jährige Elektroinstallateur, mit ein paar Veranstaltungen genügend Geld zu verdienen, um die Weiterbildung zum Techniker zu finanzieren. Begeistert schwelgt Scholz in Erinnerungen, erzählt von Partys und Events, darunter „Eclipse“ zur Sonnenfinsternis 1999. „Als schließlich im Club die Lichter ausgingen, habe ich schon das ein oder andere Tränchen verdrückt.“

Statt zum Schraubenzieher zurückzukehren, baut der Quereinsteiger sein Portfolio aus: von der Manufaktur in Schorndorf über das Tex-Mex-Lokal Cantina, den Stadtstrand, die Gastronomie im Staatstheater und der Diskothek Perkins Park bis zu Catering-Events. „Glücklicherweise stärkt mir meine Familie den Rücken. Kleine Auszeiten, etwa ein Wochenende in Hamburg, einer meiner Lieblingsstädte, lassen mich abschalten und Kraft tanken“, sagt der ehren­amtliche Präsident des Schwimmvereins Cannstatt.

Als eine große Herausforderung sieht Scholz den Fachpersonalmangel, in dessen Folge immer mehr Betriebe zu einer Umorientierung in Richtung Systemgastronomie gezwungen sind. Beim Gerangel zwischen Top-Service, Qualität und Preis bliebe nämlich vor allem Ersteres auf der Strecke: „Ein großer Teil der Nachwuchskräfte sucht sich eine andere Beschäftigung, weil die Relation zwischen Arbeitszeit und -belastung sowie Gehalt einfach nicht stimmt. Insofern sind gut ausgebildete Kräfte heiß umkämpft.“ Als Sterneküche leide die Speisemeisterei darunter weniger als andere Betriebe; dennoch liegt eine „Hoffnung“ auf der zunehmenden Digitalisierung. „Viele Arbeitsplätze werden wegfallen. Vielleicht entdecken einige Betroffene ihr Faible für die Gas­tronomie.“