Alfred Theodor Ritter erhält den Deutschen Gründerpreis für sein Lebenswerk.

 

 

Seine bunten Schokoladenquadrate mit dem Knick machen Naschkatzen seit über 100 Jahren glücklich. Alfred Theodor Ritter führte Ritter Sport aus der Krise und engagiert sich seit Jahrzehnten intensiv für die Umwelt. Dafür wurde im ZDF-Hauptstadtstudio mit dem Deutschen Gründerpreis 2019 in der Kategorie Lebenswerk geehrt.

„Als Familienunternehmer denke ich nicht in Quartalsbilanzen, sondern in Generationen“, sagt Alfred Theodor Ritter. Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Ökologie, das sind für den 66-Jährigen keine Sonntagsreden, sondern eine „Herzensangelegenheit“, die den unternehmerischen Alltag prägt. Seit über 30 Jahren produziert Ritter mit Ökostrom, die Verpackungen sind seit 1991 aus recyclingfähigem Polypropylen, seit 2002 ist das hauseigene Blockheizkraftwerk in Betrieb, und seit 2013 erfüllt das ZNU-zertifizierte Unternehmen äußerst anspruchsvolle Nachhaltigkeitsstandards. Auch sonst ist Ritter seit Jahrzehnten ökologisch engagiert: Er gründete mehrere Firmen im Bereich der Umwelttechnik und produzierte eines der ersten Elektroautos Deutschlands, den „Hotzenblitz“.

Augenöffner für ihn war, wie für viele seiner Generation, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986. „Als es auf dem Markt nur noch verstrahlte Haselnüsse gab, wurde mir die Bedeutung des Umweltschutzes klar.“ Das andere große Thema im Leben des Alfred Theodor Ritter ist der Mensch. „Wirtschaft ist dazu da, dass möglichst viele Leute besser leben.“ Schon seit 1990 unterstützt er Kakaobauern in Nicaragua, baut dort seit 2013 eine eigene Kakaoplantage mit inzwischen rund 400 Mitarbeitern auf. „Wir wollen nur allerhöchste Qualität.“

Inzwischen bezieht er für seine Produkte ausschließlich zertifiziert nachhaltigen Kakao. „Unser Ziel sind gute Arbeitsbedingungen und partnerschaftliche, langfristige Geschäftsbeziehungen.“ Mit dieser Haltung hat der bekennende Schokoholic auch Ritter Sport wieder ganz nach vorne gebracht – obwohl er ursprünglich andere Pläne hatte. „Für meine Eltern war klar, dass ich die Nachfolge antrete, aber ich hatte dabei gemischte Gefühle“, erzählt Ritter. Nach dem Abitur startete er ein Volkswirtschaftsstudium, dann starb der Vater des damals 21-Jährigen 1974 völlig überraschend.

Ein familienfremder Geschäftsführer übernahm, die Familie blieb im Beirat. „Das war mir ganz recht, und ich bin nicht mehr davon ausgegangen, in das Unternehmen einzusteigen.“ Alfred Theodor Ritter wurde Psychologe, führte mehrere Jahre eine Praxis in Heidelberg. Ab 1982 war er Vorsitzender des Beirats, strukturierte Ende der 1980er Jahre nach internen Konflikten die Geschäftsführung um. Im Jahr 2004 geriet die Firma ins Trudeln und Ritter selbst übernahm die Leitung. „So ein Unternehmen ist wie ein Familienmitglied, das kann man nicht hängenlassen, wenn es ihm schlecht geht.“

Er startete einen radikalen Umbau, stärkte den Beirat und belebte die Marke Ritter Sport als hochwertige deutsche Traditionsmarke wieder neu. Heute haben die bunten Schokoladenquadrate in Deutschland einen Marktanteil von rund 20 Prozent, werden in über 100 Ländern verkauft und bringen einen Umsatz von 489 Millionen Euro. Außerdem legte der Vater von drei Kindern viel Wert darauf, dass sich seine inzwischen 1550 Mitarbeiter im Unternehmen „zu Hause“ fühlen. „Ich wusste, dass ich verloren bin, wenn ich die Leute verliere.“

Seitdem wurde das Familienunternehmen mehrfach als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet. Was als vorübergehende Lösung gedacht war, dauerte am Ende über zehn Jahre. Erst im Jahr 2015 zog sich der damals 62-Jährige aus der Geschäftsführung zurück, steuert aber weiterhin im Beirat die Geschicke des Unternehmens mit. Auch die nachfolgende Generation ist bereits eingebunden. „Ritter ist und bleibt zu 100 Prozent in Familienbesitz.“