Warum ein Sektbad mit einer kranken Patientin bewegender ist als ein internationales Jetset-Leben als Flugbegleiterin.

 

 

Sieben-Sterne-Hotel in Dubai, Friseurbesuch in Hongkong, bewundernde Blicke für die schicke Uniform – das Leben als Flugbegleiterin ist aufregend. „Es ist ein Traumberuf, man wird fürs Reisen bezahlt“, schwärmt Antje Limberg, die nach einer Ausbildung zur Fremdsprachenhostess, vier Semestern Medizin und sechs Jahren im Lufthansa-Jumbo eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht hat. Warum diese Kehrtwende? „Das hatte zwei Gründe: Nach der Geburt meines Sohnes war weder in diesem Studium noch beim Fliegen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gegeben. Zum anderen hat mir bei diesem abgehobenen Jetset-Leben immer etwas Authentisches gefehlt – ich wollte wissen, wie das wahre Leben ist.“

Den einen Traumberuf an den Nagel gehängt, wollte die heute 39-Jährige den Traum, in der Medizin zu arbeiten, aber nicht auf­geben. „In meiner Recherche bin ich auf das Studium der Angewandten Gesundheitswissenschaften gestoßen, welches im Zuge der Akademisierung der Pflege in Kombination mit der Ausbildung zur Krankenschwester angeboten wird.“ Ihr Bild vom Pflegeberuf an sich habe sich mit Beginn ihrer Ausbildung erheblich gewandelt: „Ich dachte immer, es sind vor allem einfache Hilfsaufgaben, die man verrichten muss – ich hätte mir nicht vorstellen können, dass eine ganze Wissenschaft dahintersteckt.“ Vor allem fasziniert habe sie die ganzheitliche Sicht auf den Patienten und das Zwischenmenschliche. Nicht nur das spezielle Symptom stehe im Fokus, sondern der gesamte Mensch: „Wir schauen danach, was ihn fördert, was ihn hindert und wo man – meist schon mit kleinen Dingen – ansetzen kann, um den Therapieverlauf positiv zu beeinflussen.“

Auf die Frage, ob sie nach dem Jetset nun im wahren Leben angekommen sei, erklärt die Krankenschwester, dass sie hier einen weiteren Traumberuf kennengelernt habe, der sie im tieferen Sinne erfüllt. Doch wie überall gibt es auch hier gewisse Schattenseiten, und sie verrät daher, dass sie offen für weitere Träume sei. So findet sie in ihrer Freizeit zusammen mit ihrem Sohn beim Taekwondo oder im „Alt“ eines großen Gospelchors weitere Gelegenheiten, ihrer inneren Stimme zu folgen. „Schließlich kann man andere nur gut pflegen und den Belastungen standhalten, wenn man auch auf sich selbst achtet.“ Abschließend gibt sie noch ihr schönstes Erlebnis ihres jetzigen Berufes preis.

Während ihrer Ausbildung erfüllte sie in einem Hospiz einer 80-Jährigen einen Herzenswunsch: „Sie hatte nur noch Schmerzen und wollte noch einmal baden. Wir haben sie mit einem Lifter in die Wanne gehoben, Kerzen angezündet und Musik angemacht.“ Es fehle nur noch der Sekt, scherzte die alte Dame. Kurzerhand wurde mit drei Gläsern angestoßen – der Rest der Flasche ins Badewasser gekippt. „Sie war so begeistert und gerührt, dass sie kurz vor ihrem Tod noch so einen Luxus erleben durfte“, erinnert sich Antje Limberg und bekommt feuchte Augen.