Mit der Teilnahme am GordonBennettCup erfüllt sich der Ballonpilot einen Kindheitstraum

 

„Schon mein Opa und mein Vater sind begeisterte Ballonfahrer gewesen. Ich wurde quasi im Ballonkorb geboren und hatte kaum eine andere Wahl, als die Tradition fortzuführen“, sagt der schlaksige Blonde, wenn ihn jemand nach seinem außergewöhnlichen Hobby fragt. Er liebt die Welt aus der Vogelperspektive, das lautlose Dahingleiten. Und er schätzt das Abenteuer solcher Exkursionen, denn wann die Reise wo und nach welcher Zeit endet, ist fast komplett abhängig von der Wetterlage.

„Die Möglichkeiten, einen Ballon zu steuern, sind begrenzt, daher lassen sich Route und Dauer kaum vorhersagen. Das macht jede Fahrt einzigartig.“ Erinnerungen an solche Touren hat er viele, beispielsweise die 26 Stunden von Stuttgart nach Litauen. Vor allem Alpenüberquerungen verlieren nie ihren ganz besonderen Reiz. „Trotz einer Höhe von 5000 Metern sieht man die schneebedeckten Gipfel nur ein paar Hundert Meter unter sich – ein ebenso majestätischer wie beeindruckender Anblick.“ Mit zunehmender Erfahrung wächst der Ehrgeiz, schließlich harrt da noch der alte Kindheitstraum, einmal am GordonBennettWettbewerb für Gasballone teilzunehmen, seiner Verwirklichung.

Gesagt, getan. Kollege Matthias Schlegel und er schaffen die Qualifikation und starten als drittes deutsches Team, doch an den ganzen Trubel rund um das Event hat Munz dank eines gleichmäßig überhöhten Adrenalinspiegels kaum Erinnerungen. „Ich sehe noch das Startpodest vor mir, höre die Nationalhymne und ich weiß, dass das für mich ein Gänsehautaugenblick war. Der erste Moment ohne Anspannung kam erst, als ich in gewohnter Umgebung mehrere Hundert Meter über der Erde war und man von Startplatz und Publikum nichts mehr sah.“

Er rechnet sich wenig Chancen auf einen Sieg aus, doch das ist nebensächlich, es geht um Spaß und nicht um Platzierungen. Dass es am Ende doch für Platz zehn reicht, überrascht, freut und motiviert den gebürtigen Degerlocher, der das allerdings hinter einem lapidaren „Das Ergebnis hat den Aufwand an Zeit, Geld und Planungsarbeit gelohnt“ verbirgt. Trotz tiefer Begeisterung für das Ballonfahren weist Munz die Überlegung, das Hobby zum Beruf zu machen, mit Blick auf entsprechende Erfahrungen entschieden von sich: „Ich bin als Student Passagiere gefahren. Als tägliches Brot geht das ziemlich schnell in Routine ohne Abwechslung und Herausforderungen über. Das wollte ich mir nicht antun.“

Tatsächlich bestehen laut Einschätzung des 25Jährigen kaum Gemeinsamkeiten zwischen dem Ballonpiloten und Naturburschen einerseits und dem zielstrebigen Karrieristen, der als Vertriebsbeauftragter bei Siemens Kunden über Komplettlösungen im Bereich der Gebäudeautomation berät. Dieser Spagat zwischen beruflichem und sportlichem Weiterkommen ist auch der Grund, warum eine erneute Teilnahme am GordonBennettCup im nächsten Jahr ausscheidet. „2019 wollen wir uns für 2020 qualifizieren. Eventuell steht auch die deutsche Meisterschaft an“, verspricht Munz.