Der einstige Opern- und Konzertsänger liebäugelt mit einer Wiederaufnahme des Wiegenliederprojekts.

 

Die Regale biegen sich unter Büchern und CDs, die Wände zieren Kunstwerke von klassisch bis modern, das Wohnzimmerfenster offeriert einen atemberaubenden Blick auf die Esslinger Skyline. Hauptmann, der sich selbst als kunst- und kulturversessen charakterisiert, genießt die Vorzüge seiner Bleibe jeden Tag aufs Neue.

„Ich habe lange nach einer Wohnung in meiner Heimatstadt gesucht. Als dann diese Neubauten entstanden, habe ich sofort zugeschlagen“, verrät er mit einem verschmitzten Lächeln. Bei einer Tasse Kaffee kommt der große Blonde mit der sonoren Stimme ins Plaudern. Mit viel Humor erzählt er spannend-ironisch aus seinem Leben: von seiner Kindheit, „in der ich viel Zeit im Kinderchor verbrachte, obwohl Traktorfahren so viel spannender war“, seinem Wechsel von der sozialpädagogischen Fakultät an die Musikhochschule und dem Debüt an der Stuttgarter Staatsoper, von ersten Erfolgen, aber auch von Pech und Pannen. „Es kommt schon mal vor, dass man auf der Bühne steht und den Text vergessen hat. Dann heißt es improvisieren und vor allem: nicht lachen!“

Im Laufe seiner Karriere lernt der gefragte Bass viele Größen der Musikgeschichte kennen, darunter Elisabeth Schwarzkopf, die ihn über 20 Jahre betreute und der er laut eigener Aussage viel zu verdanken hat. „Sie war eine unnachgiebige Perfektionistin. Lob gab es selten, aber einmal erspähte ich sie zu meinem Erstaunen bei einem meiner Liederabende. Anerkennung braucht nicht immer Worte.“ Beinahe noch überwältigender empfand er die Zusammenarbeit mit Leonard Bernstein, an den er sich als außergewöhnlich charismatischen Mann erinnert und den er besonders wegen seiner „unglaublich wohlwollenden Ausstrahlung“ schätzt. „In solche Sphären vorzudringen, bedeutete eine Riesenchance. Ich glaube, ich habe sie gut genutzt.“

Als sich seine Stimme vor einigen Jahren zu verändern beginnt, beschließt Hauptmann, in den Ruhestand zu gehen. Langeweile ist trotzdem ein Fremdwort für den 67Jährigen: neben seinen offiziellen Verpflichtungen, darunter der Vorstandsvorsitz des Tonkünstlerverbandes Baden-Württemberg, engagiert er sich bei Musikprojekten sowie in diversen Vereinen wie der Initiative Turmwächter e. V., die sich die Sanierung des Dicken Turms zum Ziel gesetzt hat. Und auch die Musik gehört nach wie vor zu seinem Leben: „Musik vereinigt Menschen unterschiedlichster Couleur in einer gemeinsamen Leidenschaft. Daran möchte ich weiterhin teilhaben.“ Seit einiger Zeit singe er deshalb im russischen Chor – es sei das erste Mal, dass er für das Singen Geld zahle, statt es zu bekommen, scherzt er. Sein Herz schlägt jedoch für das deutsche Liedgut und so spielt er aus gegebenem Anlass mit einem ganz besonderen Gedanken: „Vor zehn Jahren habe ich das Projekt Wiegenlieder initiiert. Das Jubiläum ist ein willkommener Anlass, in dieser Richtung erneut aktiv zu werden.“