Seit Beginn des Schuljahrs 2019/2020 ist der Studienrat Leiter des Evangelischen Mörike-Gymnasiums.

 

„Zuverlässig, loyal, friedfertig, so beschreiben mich viele meiner Bekannten“, lautet Daniel Steiners Antwort auf die Frage nach seinen hervorstechendsten Charaktereigenschaften. Tatsächlich ruft der Mann im schmal geschnittenen Anzug, wie er lässig im Sessel sitzt und mit dem Fuß wippt, bei seinem Gegenüber viel eher Assoziationen an das Idealbild eines Pädagogen hervor: jung, dynamisch und sehr engagiert. Der Schein trügt nicht, mit gerade mal 35 Jahren leitet Steiner bereits das Mörike- Gymnasium und ist zugleich Schulleiter des Schulverbunds, unter dessen Dach sich auch die Mörike- Realschule und das Aufbaugymnasium befinden. „Meine Bewerbungskonkurrenz verfügte über größere Erfahrung, wogegen ich mit der Innenperspektive punkten konnte. Das gab wohl den Ausschlag“, freut sich der gebürtige Stuttgarter, der „dem Mörike“ seit seinem Referendariat treu geblieben ist. Dass der nie den Wunsch hatte, andere Einrichtungen kennenzulernen, wischt er fast ein wenig verschämt mit „Ich konnte einfach nicht loslassen“ beiseite.

Obgleich die Fußstapfen seiner Vorgängerin groß sind, freut sich Steiner auf die Aufgaben, die seine neuen Positionen mit sich bringen. Selbst Technikaffin, liegt ihm besonders die Weiterentwicklung digitaler Nutzungskonzepte am Herzen. Aber auch abseits von iPad und Handy herrscht an Herausforderungen kein Mangel – sei es die steigende Zahl an Schulbewerbungen, die langfristig nach einer Lösung verlangt; die Überlegung, ob und in welcher Form eine Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften eta- bliert werden soll; das Ansinnen der Schülerschaft, sich als „Schule ohne Rassismus“ zu qualifizieren. Mit jedem Satz wird deutlicher, dass Steiner zu jener Sorte Mensch gehört, bei denen Beruf und Berufung ganz nah beieinanderliegen. Vielleicht, weil er selbst das beste Beispiel dafür ist, was wahre Begeisterung vermag: „Dass ich heute Mathematik und Spanisch unterrichte, ist das entscheidende Verdienst meiner eigenen Lehrer, die mir durch ihre Leidenschaft und Freude diesen wunderbaren Beruf nahegebracht haben.“ 20 Jahre später geht es nun ihm darum, Schüler in ihrer Entwicklung zu begleiten – fachlich wie menschlich, konsequent, beharrlich und voller Empathie.

Als Dank erwartet ihn ein extrem fordernder Berufsalltag, in dem Routine ebenso ein Fremdwort ist wie Langeweile. „Lehrern wie Schülern wird heutzutage eine Menge abverlangt. Ohne Auszeiten geht das nicht. Ich spiele zum Ausgleich Wasserball oder wandere mit meiner Familie durch die Weinberge“, so der frischgebackene Vater einer kleinen Tochter. Wenn er sich für die Zukunft der Institution Schule etwas wünschen dürfte, stünde ein besserer Personalschlüssel ganz oben auf der Liste. „Scheitern wird immer Teil des Schulalltags sein, aber mit mehr Zeit für engmaschige und individuelle Förderung ließe sich noch vieles erreichen.“