Kunst und Kultur spielen im Leben der Autorin (neuer Krimi „Schwabenblut“) die Hauptrolle.

 

 

Wer Dorothea Böhme fragt, was sie am liebsten tut, bekommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Für mich ist Schreiben Beruf und Berufung gleichermaßen.“ Dennoch zweifelt die in Hamm geborene Wahl-Stuttgarterin, die schon zu Kinderzeiten von einer Karriere als Schriftstellerin träumte, lange an ihrem Talent und der Möglichkeit, mit eigenen Büchern zumindest einen Teil des täglichen Brots zu verdienen. Sie studiert Literaturwissenschaften und Philosophie, „um über all diese wahnsinnig schlauen Literaten zu forschen“; nebenbei macht sie sich auf, die Welt zu erkunden, denn der Reiz, sich neuen Herausforderungen zu stellen, ist groß.

Die Faszination für Kunst im Allgemeinen und der Schriftstellerei im Besonderen sitzt ihr jedoch wie ein Stachel im Fleisch. Vorsichtig beginnt sie, die eigenen Fähigkeiten in Short Storys auszuloten, denn „Kurzgeschichten sind längst nicht so einschüchternd wie Weltliteraturwälzer“. Überrascht und motiviert von den positiven Reaktionen wagt sie sich an ihren Erstlingsroman „Sauhaxn“, einen Krimi. „Es macht Spaß, Leute ungestraft abzumurksen, und da ich überdies ein Faible für schwarzen Humor habe, lag es nahe, einen Krimi zu schreiben“, sagt sie und lacht.

Böhmes Bücher sind Ausgeburten der Fantasie ohne reale Vorbilder und leben von Aktion, Witz und Liebe, alltäglichen Figuren mit hohem Identifikationspotenzial und ironisch-heiteren Zufälligkeiten. Die Mixtur ist wohlgewählt, da die Autorin vor allem ein Ziel verfolgt: ihre Leser zum Schmunzeln zu bringen, ihnen ein paar Stunden unbeschwert-unterhaltsames Lesevergnügen zu schenken. Umgekehrt profitiert auch sie von dem Austausch mit dem Publikum: „Ich schätzt das Feedback, das ich bekomme. Meiner Ansicht nach ist konstruktive Kritik die Basis aller Weiterentwicklung.“ Wohin diese langfristig führt, steht noch in den Sternen; es ist allerdings kein Geheimnis, dass die 37-Jährige schon jetzt mit Ausflügen in andere schriftstellerischen Genres liebäugelt.

Auch abseits der Schriftstellerei spielen die Künste in Böhmes Leben eine entscheidende Rolle: Wenn sie nicht als Mitglied der „get shorties Lesebühne“ eigene Kurzgeschichten präsentiert, nimmt sie Musikunterricht – derzeit steht die Gitarre im Zen­trum des musikalischen Interesses, früher waren es Klarinette, Klavier und Fagott – oder schauspielert im Dreigroschentheater. Wenig überraschend schätzt sie ihre neue Heimat ganz besonders wegen des abwechslungsreichen Kulturangebots.

„Stuttgart hat eine hochkarätige Kunstszene, die ich mit Leidenschaft erkunde. Im Gegensatz zu anderen Großstädten läuft hier alles sehr relaxed ab, was mir persönlich ebenso gut gefällt wie die überraschend vielen Möglichkeiten zum Mitmachen.“ Nur von den darstellenden Künsten lässt sie die Finger, ihre Großmutter sei die Malerin der Familie. „Und diese Messlatte hängt einfach zu hoch.“