In der Landesausstellung 2020 geht die Kuratorin des Landesmuseums der Frage nach, was Mode zu Mode macht.

 

 

Eigentlich sei ihr Interesse an Mode keine Überraschung, denn die habe immer schon gesellschaft­liche Veränderungen gespiegelt, sagt Maaike van Rijn. „Spezielle Phänomene wie beispielsweise Mi­gration treten im Laufe der Zeit immer wieder auf. Mich fasziniert, wie diese sich abbilden, welchen Ausdruck sie in Mode und Kunst finden.“

Berufswünsche, die sie in weißem Kittel und mit Stethoskop am Krankenbett zeigen, verlieren schon im Teenageralter an Reiz, immer stärker rückt die Kunst in den Mittelpunkt. Nicht zuletzt, weil die Geschichten hinter den Exponaten sie mit Neugier erfüllten, verrät sie und gibt gleich ein Beispiel. „Dior-Kleider aus den 50er Jahren mit typisch schmaler Taille symbolisieren die Sehnsucht nach schöner und weiblicher Kleidung. Sie stehen quasi für die Metamorphose von der Trümmerfrau zur Madame.“

Ein Praktikum in einer Restaurierungswerkstatt gibt den Ausschlag für das Studium der Kunstgeschichte und Neueren Deutschen Literatur; ein zweites als frischgebackene Studentin im Albertinum in Dresden weist ihr den weiteren Weg. „Kuratorin“ heißt ihr Ziel. „Zwar übten die eher trüben Berufsaussichten eine gewisse Abschreckung aus, gleichzeitig schürten sie jedoch meinen Ehrgeiz, mich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Wenn ich nämlich etwas erreichen will, kann ich sehr durchsetzungsstark sein.“

Der Erfolg gibt ihr recht, heute verantwortet die 39-Jährige die Sammlungen Mode und Textil sowie Kunsthandwerk und Design vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart am Landesmuseum Stuttgart und leitet zudem das Modemuseum im Schloss Ludwigsburg. Eine Traumposition in ihren Augen, die sie sich mit viel Begeisterung und Disziplin erarbeitet hat. Der Lohn für van Rijns Zielstrebigkeit ist mit der Großen Landesausstellung in greifbare Nähe gerückt.

„So eine Chance bekommt man im Leben höchstens einmal“, sagt die in Tettnang geborene Baden-Württembergerin fast schüchtern und schafft es, in diesem lapidar klingenden Satz eine ganze Bandbreite Emotionen mitschwingen zu lassen: Stolz ob des Vertrauens in ihre Expertise; Lust auf die kommenden Herausforderungen; Anspannung, den Anforderungen auch ja gerecht zu werden.

„Unsere Ausstellungen sind für ihr hohes Niveau bekannt. Ich bin froh, dass ich ein Team um mich habe, das mich unterstützt.“ Längst hat das Konzept in ihrem Kopf Gestalt angenommen, die Gliederung in einzelne Themenbereiche, die sich unter anderem mit den Einflussfaktoren, denen Mode unterworfen ist, der blickwinkelabhängigen Interpretation von „Fashion“ und besonders mit dem individuellen Verhalten der Besucher Mode gegenüber auseinandersetzen.

„Die Modehistorikerin in mir empfindet natürlich ästhetische Freude an den schönen Exponaten. Persönlich reizt mich ‚der Blick in private Kleiderschränke‘, wodurch hoffentlich Fragen wie die, warum dieses oder jenes Kleidungsstück gekauft, aber nie getragen wurde, beantwortet werden.“