In ihren Romanen setzt die überzeugte Schwäbin auf einen Mix aus Spannung und Authentizität.

 

„Wenn ich arbeite, blende ich alles andere aus, nur die Geschichte zählt. Da kann es durchaus passieren, dass ich meiner Umwelt mit einer vielversprechenden Idee oder einer Szene, die sich noch sperrig liest, mächtig auf den Geist gehe“, gesteht Silvia Stolzenburg und ihre Augen funkeln schelmisch. 30 Bücher hat sie auf diese Weise schon geschrieben, 24 davon veröffentlicht – keine schlechte Bilanz für jemanden, der das Schreiben eigentlich aus Langeweile begann. „Nach meinem Anglistikund Germanistikstudium entschied ich mich zu promovieren. Als sich die Arbeit rund um die Dissertation endlos hinzog, kam mir die Idee, das theoretische Knowhow quasi als Fingerübung praktisch umzusetzen.“ Rasch sorgt die Faszination für den neu entdeckten Zeitvertreib dafür, dass das erste Buch nicht lange ein Einzelkind bleibt.

Stolzenburg sieht sich als Unterhaltungsliteratin, die sich sowohl im Krimi- Thriller-Genre als auch in der lokalen Historie zu Hause fühlt. Ersteres mag aus der eigenen Vorliebe für Mord und Totschlag resultieren. Letzteres ist definitiv dem Vorbild des Vaters geschuldet, dank dessen Geschichtsfaible die Tochter sogar mit einem Studium der Archäologie liebäugelte, bevor die Literatur den Sieg davontrug. A und O bei jedem Buch ist die Recherche – während andere Autoren im stillen Kämmerlein Google befragen, wühlt sie sich durch Archive, fragt Experten bei Kripo und Rechtsmedizin Löcher in den Bauch. „Ich bin ein großer Infotainment- Fan. Folglich treibt mich der Ehrgeiz, Figuren, Schauplätze und reale Begebenheiten möglichst authentisch darzustellen. Natürlich mit einer unterhaltsamen Ummantelung.“ Der Erfolg gibt ihr recht, bereits drei ihrer historischen Romane wurden mit dem Homer ausgezeichnet, ein weiteres mit dem Bronzenen Homer.

Damit die Kreativität konstant üppig sprudelt, schwingt sich die 45-Jährige regelmäßig auf ihr Mountainbike, um in den Wäldern der Schwäbischen Alb durchzuatmen, oder sie steht gemeinsam mit dem Ehemann am heimischen Herd. Seit rund vier Jahren betreibt Stolzenburg die Schriftstellerei hauptberuflich. Die Entscheidung, ihren „Brotberuf“ als freiberufliche Englischtrainerin an den Nagel zu hängen, steht am Ende eines langen, oft harten Wegs. „Wer in diesem Metier Erfolg haben will, sollte Selbstzweifel ablegen und sich stattdessen eine gewisse Arroganz aneignen“, lautet die komprimierte Bilanz eigener Erfahrungen. Darüber hinaus stecken genug neue Projekte in der Pipeline, darunter ein historischer Roman, der im nächsten Frühjahr voraussichtlich unter dem Titel „Tribut der Sünde“ erscheint. „Er spielt in Stuttgart im Jahr 1513. Am Vorabend des ‚Armen Konrad‘, einem blutigen Aufstand der einfachen Bevölkerung gegen den württembergischen Herzog, bricht Franziskas Welt unvermittelt zusammen, als ihr Verlobter des Mordes am Sohn des Stuttgarter Bürgermeisters bezichtigt wird. Mehr wird nicht verraten.“