Für ihr ehrenamtliches Engagement erhielt die Wernauerin den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

 

 

„Es fühlte sich an, als träfe mich der Schlag“, erinnert sich die 67-jährige Dr. Barbara-Sabine von der Heydt-von Kalckreuth, wie sie mit vollem Namen heißt, an den Tag im November, an dem sie von der Auszeichnung erfährt. „Im Frühjahr hatten mich die Kollegen von der Zen­tralen Schuldnerberatung (ZSB) informiert, dass sie mich nominieren möchten, aber als immer mehr Zeit ohne Resonanz verstrich, dachte ich, die Angelegenheit sei erledigt.“ Es ist ein Moment vielschichtiger Emotionen, die von der Heydt nur schwer in Worte fassen kann. Natürlich sind Stolz und Freude über die unerwartete Ehrung dabei, aber auch Ungläubigkeit und ein wenig Unbehagen, weil „andere sie ja viel eher verdient haben“.

Dass es die gebürtige Bremerin ausgerechnet zur Schuldnerberatung verschlagen hat, ist zumindest teilweise einem glücklichen Zufall geschuldet: „Ich habe mich schon immer für junge Leute interessiert und ehrenamtlich für sie eingesetzt, zum Beispiel im Elternbeirat oder beim AFS. Schon damals fand ich es bedenklich, dass viele bereits in jungen Jahren durch allzu bereitwillig gewährte Verbraucherkredite hochverschuldet waren.“ Als vor rund 15 Jahren ein Schulungsprojekt der Evangelischen Gesellschaft an den Start geht, das Ehrenamtliche für die Arbeit in der ZSB vorbereitet, ist von der Heydts Interesse an der anspruchsvollen Aufgabe geweckt.

Sie fragt nach, wird angenommen und engagiert sich zunächst in der Präventionsarbeit, bis sie mit zunehmender Erfahrung ein Faible für Fallarbeit entwickelt. Heute ist sie als Einzige aus der ursprünglichen Gruppe übrig. „Ich fühle mich gut aufgehoben, nicht zuletzt, weil die Zusammenarbeit mit den festen Mitarbeitern bestens funktioniert. Obwohl ich bei Bedarf auf ihre
Expertise zurückgreifen kann, ist es ein Miteinander auf Augenhöhe“, resümiert die Seniorin, die auch für den Landkreis Esslingen ehrenamtlich Verschuldete berät.

Wenn Bekannte und Verwandte anmerken, dass eine solche Tätigkeit doch deprimierend sein müsse, zuckt von der Heydt, die sich selbst als nüchterne, rationale Frau beschreibt, die Schultern. „Ich muss für meinen Lebensunterhalt nicht arbeiten, was ich durchaus als Luxus sehe. Es ist mir wichtig, ein wenig des Guten weiterzugeben.“ Oft brauche es gar nicht viel, um helfen zu können, die Mehrheit ihrer Klienten treibe die Angst vor dem Ungewissen zur ZSB, unverständliche Mahnbriefe in Behördendeutsch, eingezogene Kreditkarten, offene Forderungen. Hier beginnt die Arbeit der vierfachen Mutter: Sie beruhigt die aufgelösten Menschen, erklärt, was Privatinsolvenz bedeutet, und sucht nach Wegen aus der Notlage.

„Heutzutage akzeptiert die Gesellschaft Schulden als etwas Normales, ohne an die Risiken zu denken. Zwar gibt es Projekte wie die „Finanzpaten“ der ZSB, bei denen Ehrenamtliche sich einsetzen, Schüler im Umgang mit Geld fit zu machen, doch ich denke, es ist zuallererst Aufgabe der Erziehungsberechtigten, finanzielle Verantwortung zu vermitteln.“