Die eineiigen Drillinge Stefan, Martin und Philipp Bukovsek erzählen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

 

 

Oh je, wer ist wer? Wenn sie ihre Brillen abnehmen, sind Stefan, Martin und Philipp Bukovsek (im Bild v.l.n.r.) kaum zu unterscheiden. Vielleicht sind die Bukovsek-Drillinge die berühmtesten Drillinge überhaupt in der Region Stuttgart, denn schließlich hat es  Martin Bukovsek als Artist, Zauberer und auch Moderator des Weltweihnachtszirkusses zu einiger Berühmtheit gebracht.

Aber  nach einer Stunde Interview mit den drei 49-jährigen Männern erkennt man: Hier  sitzen drei Individuen, jeder hat seine eigene Persönlichkeit.

Für die slowenischen Eltern war die Drillingsgeburt 1970 ein Schock, denn eigentlich waren nur Zwillinge erwartet worden. Aber da kam dann noch Martin „hinterher“. Und zwar ganz natürlich, ohne Kaiserschnitt und ohne künstliche Befruchtung. Die Wahrscheinlichkeit für eineiige Drillinge liegt  bei eins zu zehn Millionen.

Geboren in Kirchheim/Teck, sind die Bukovseks als kleine Jungs zunächst nach Neugereut und dann nach Degerloch gezogen, wo sie auch aufgewachsen sind. „Ich hab’s immer positiv empfunden, ein Teil von Drillingen zu sein, das ist erst mal ein Geschenk“, erzählt Martin. Sonntags zum Spazierengehen wurden die Jungs genau gleich angezogen und stolz „vorgeführt“. „Wir hatten das nicht gemocht, wir waren immer ‚die Drillinge’“, erinnern sie sich.

Jeder hatte jahrelang  seine eigene Kleidungsfarbe bekommen: Stefan blau, Philipp grün und Martin rot.  „Aber irgendwann rebelliert man“, sagt Martin, drei Individuen entwickelten sich heraus. „Wir haben viele Gemeinsamkeiten aber auch viele Unterschiede“, so Martin. So hat man die gleichen körper­lichen „Problemzonen“. „Und im zunehmenden Alter differenzieren wir uns immer mehr“, bestätigt Stefan. Trotzdem ist die „Seelenverbindung“ zwischen den dreien da.
Im Bekanntenkreis haben sich die Bukovsek-Drillinge als Jungs öfter mal einen Spaß daraus gemacht, die Leute durch Verwechslung zu verwirren, aber in der Schule nie.

„Wir waren brave Jungs und konnten uns mit unseren unterschied­lichen  Hobbys, bei Hausmusik und in der Kirchengemeinde voll ausleben. Aber wir empfinden uns selbst nicht als ähnlich, wir sind alle drei unterschiedlich, deshalb war das nie Thema, wir hatten und haben unterschied­liche Hobbys und Freunde“, sagt Stefan. 

Sind die  Bukovsek-Drillinge einzeln in Stuttgart unterwegs, werden sie öfters von „Fremden“ angesprochen. „Dabei kenn ich die Leute manchmal nicht, aber ich weiß ja, dass sie einen meiner Brüder meinen“, schmunzelt Philipp. „Und als meine Frau das erste Mal zu uns nach Hause kam und mein Bruder die Tür öffnete, dachte sie auch, sie sei im falschen Film.  Auf der anderen Seite habe ich Kollegen, die heute noch nicht wissen, dass ich ein Drilling bin“, erzählt Philipp, der bei Bosch in Feuerbach als Ingenieur arbeitet und übrigens als einziger der Drillinge heiratete und auch einen Sohn hat. Stefan machte zunächst eine Schreinerlehre und arbeitet heute als Bühnenbildner beim Staatstheater.

Außerdem ist er gelernter Fotograf. Martin – sein Künstlername ist Carismo – liebt den Zirkus, ist Artist und Zirkuspädagoge und tritt u. a. im Staatstheater, im Zirkus und im Friedrichsbau-Variete auf. Außerdem hält er u. a. die Guinessbuch-Weltrekorde im Stillstehen (16 Stunden, 16 Minuten und 16 Sekunden) und im Langsamgehen (2 Meter in 27 Stunden).

Witzigerweise verbindet die U1 von Fellbach nach Vaihingen die Drillinge auch auf der Schiene: Martin wohnt in Vaihingen, Stefan im Heusteigviertel  und Philipp in Fellbach. „Wie immer bin ich in der Mitte, ich bin als Mittlerer geboren und war und bin auch unter uns dreien immer der Vermittler gewesen“, philosophiert Stefan. In ihm vereinen sich auch das musische und künstlerische Talent der drei, während Philipp Wissenschaftler und Martin Künstler geworden ist. Im nächsten Jahr steht bei den Bukovseks der 50. Geburtstag an, ein großes Fest ist geplant. „Wir lassen keine Gelegenheit aus, uns in der Familie zu treffen“, so Stefan.

Für einen Spaß sind die drei immer zu haben: So traten sie schon bei der Sendung „Sag die Wahrheit auf“ und hatten sich früher auch mal für die Sendung „Herzblatt“ beworben. „Das Format wäre wie für uns gemacht, stellen sie sich die Fragen an uns drei vor und hinterher bei der Wand, wenn die Frau dreimal das gleiche Gesicht gesehen hätte, das wäre ein Spaß gewesen“, lacht Stefan.

„Es gibt ja auch die Kessler-Zwillinge, warum nicht auch die Bukovsek-Drillinge“, schlägt  Martin halb im Ernst, halb im Spaß noch eine Zukunft im Showbusiness vor. Was nicht ist, kann ja noch werden!