Sie soll in der Akademie Schloss Solitude verstärkt dazu beitragen, Kunst und Gesellschaft einander näherzubringen.

 

 

„Künstlerisches Denken ist oft zukunftweisend, weil es sich nicht an reale Gegebenheiten hält. Ich sehe die Akademie als einen Ort des gemeinsamen Denkens, Entwerfens und Handelns, in dem die Themen von morgen aus dem Blickwinkel unterschiedlicher künstlerischer und wissenschaftlicher Perspektiven erarbeitet werden.“

Elke aus dem Moore, die seit Mai letzten Jahres die Leitung innehat, plant, das Haus im Zuge der Neuausrichtung noch weiter zu öffnen: für Kooperationen mit anderen Institutionen auf nationaler wie internationaler Ebene; für inter- und transdisziplinäre Projekte; für die virtuelle Welt. Und last but not least für Besucher: „Erfahrungsgemäß erfährt Kunst entweder Überhöhung oder Nichtbeachtung. Indem ich Sichtbarkeit und Zugänglichkeit stärker ausbaue, hoffe ich, einem breiteren Publikum die Relevanz künstlerischer Forschung nahezubringen.“

Dass Kunst den Lebensweg der gebürtigen Niedersächsin so entscheidend prägen würde, war lange nicht abzusehen. „Als Kind wollte ich etwas mit Mode machen, als Schülerin sah ich mich als Lehrerin Wissen vermitteln“, erzählt die 54-Jährige und schmunzelt bei der Erinnerung. Nach dem Abitur fällt die Wahl trotz schlechter Arbeitsmarktchancen statt auf Kreide oder Schneiderschere auf Literatur- und Kunstwissenschaft. Sie entdeckt die Liebe zu Fotografie und zum experimentellen Film, hat aber wenig Interesse an Einzelausstellungen, sondern setzt ihre Arbeiten lieber in einen Kontext mit anderen.

Schnell weiß sie, dass das Kuratieren ihre Berufung ist; der Einstieg in die Kunstwelt braucht dennoch einen Anstoß von außen. „Ich habe lange zwischen Kunst und Journalismus geschwankt. Als mich private Ereignisse nach Hamburg verschlugen, gab das den Ausschlag für die Kunst und was sie vermag.“ Sie lernt unter anderem das Projekt „Park Fiction“ kennen und ist gleichermaßen fasziniert wie inspiriert von dem Potenzial der Kunst, über reale Gegebenheiten, Normierungen und Regularien hinaus neue Impulse, gerade bei gesellschaftlichen Transformationen, zu setzen.

Im Laufe ihrer Karriere – zunächst als Kuratorin für zeitgenössische Kunst an der Shedhalle Zürich, dann als Leiterin des Stuttgarter Künstlerhauses und schließlich der Abteilung Kunst des Instituts für Auslandsbeziehungen – greift sie die Verzahnung globaler gesellschaftlicher Fragestellungen mit lokalen Erfahrungen und Praktiken zeitgenössischer Kunst in zahlreichen Ausstellungen, Workshops und Konferenzen auf internationaler Ebene auf.

An Themen und Ideen herrscht kein Mangel; die wenigen Grenzen, denen sie begegnet, basieren auf Konstrukten wie Politik und Bürokratie und nur sehr selten auf zwischenmenschlichen Aspekten. „Eine internationale und transdisziplinäre Zusammenarbeit wie an der Solitude birgt ein enormes Potenzial für die Gesellschaft und die Weiterentwicklung einer Region. Meine Aufgabe in diesem Gefüge ist, die Institution neu zu denken und neu zu formen.“