Bei seinen Klienten setzt der Stärkentrainer und Persönlichkeitscoach auf Bewusstsein und Selbsterkenntnis.

 

 

Eiserne Selbstkontrolle; stete Achtsamkeit, alte Verhaltensweisen zu vermeiden; das Ausmerzen vermeintlicher Schwächen – Frank Rebmann schüttelt den Kopf. „Ein Konzept, das die eigenen Mankos in den Mittelpunkt stellt, frustriert. Weil der Weg zu spürbaren Veränderungen sehr lang und steinig ist und die Erfolgsquote minimal. Um berufliche Kompetenzen zu verbessern, ist es viel effektiver, sich die eigenen Stärken bewusst zu machen und diese gezielt weiterzuentwickeln.“

Der 51-Jährige, der Psychologie, Philosophie und Rhetorik studiert hat, weiß, wovon er spricht: Seit über 20 Jahren lehrt er Führungskräfte und Mitarbeiter, ihre individuellen Talente zu entdecken und auszubauen, um schlussendlich zu einem leistungsfähigeren Team zusammenzuwachsen. „Das Thema hat mich schon immer fasziniert, aber erst nach jahrelangen schmerzhaften Erfahrungen hat mich ein Zufall auf die Idee gebracht, das konventionelle Konzept sozusagen von der positiven Seite her neu aufzuziehen.“

Das Resultat, sein Stärkenprinzip, basiert auf der Erkenntnis, dass alles, was eine Person gut kann, sie vorwärtsbringt: Spaß und Motivation gehen Hand in Hand, was sich in hervorragenden Leistungen niederschlägt, die wiederum das Selbstwertgefühl steigern. „Je größer die Diskrepanz zwischen Erwartung und Ressourcen, desto quälender das Gefühl permanenter Überforderung.“

Was so einleuchtend und einfach klingt, birgt tatsächlich zahlreiche Hürden – die größte ist das eigene Selbstbewusstsein, denn der überwiegende Anteil aller Seminarteilnehmer sei sich der persönlichen Stärken gar nicht bewusst, so der Experte. Stattdessen versuchten viele, fremde Verhaltensweisen zu übernehmen, was weder authentisch noch überzeugend wirke. Rebmann, in dessen persönlichem Stärkenprofil Eigenschaften wie Geduld, Diplomatie und Gelassenheit glücklicherweise ganz oben stehen, weiß auch hier Rat: „Um eine ehrliche Einschätzung zu bekommen, hilft es, andere mit ins Boot zu holen.“

Des Coaches Ziel ist erreicht, wenn „er das Original im Menschen hervorgeholt hat“, sprich der oder die Betreffende sich als wertgeschätztes Individuum fühlt und neue Aufgaben nicht länger eine Bedrohung darstellen, sondern als interessante Herausforderung mit Tatkraft und Selbstvertrauen angenommen werden.

Auch abseits des Berufsalltags dreht sich bei dem gebürtigen Schönaicher vieles um Motivation und die eigenen Reserven – sei es als Vater zweier Kinder, denen er laut eigener Aussage viel zu selten etwas abschlagen kann, oder als Mentor der Initiative „Geh Deinen Weg“ der Deutschlandstiftung Integration, bei der er derzeit die berufliche wie persönliche Entwicklung einer vietnamesischen Psychologiestudentin begleitet. Wenn dann noch Zeit bleibt, steckt er als bekennende Leseratte die Nase gerne in Bücher, vorzugsweise in philosophische Wälzer von Nietzsche, Schopenhauer & Co., weil „ich bei denen so gut entspannen kann“.