„Glaube engt nicht ein, sondern führt in einen neuen Raum“, sagt die Leiterin der Bibelgesellschaft.

 

 

Wenn Franziska Stocker-Schwarz durch Stuttgarts Bibelmuseum führt, immer wieder stehen bleibt, um etwa spannende Details aus dem Leben der Propheten zu erzählen, spricht Begeisterung und Hingabe aus jedem Wort. „Mit seiner Gestaltung und den interaktiven Exponaten, die dazu einladen, sich selbst einzubringen, bietet das Museum einen ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Streifzug durch biblische Geschichten“, schwärmt die 57-jährige Direktorin.

Fast beiläufig verweist sie auf die zahlreichen zusätzlichen Ebenen, die die Ausstellung thematisiert, darunter die Bedeutung der Bibel für Disziplinen wie Archäologie oder Kunst. Dass ihr Weg sie einmal auf den Chefsessel der württembergischen Bibelgesellschaft führen würde, hätte die gebürtige Pforzheimerin nie gedacht.

Zwar entwickelt sich die Neugier, was es denn mit Gott auf sich habe, früh, doch die Entscheidung für eine theologische Laufbahn fällt erst nach einigen Umwegen. „Ich habe mich nach dem Abitur zunächst in der Hotellerie und Gastronomie umgeschaut, danach ein Grafikdesign-Praktikum absolviert. Obwohl mir beides gefiel, fehlte irgendetwas Essenzielles.“ Mit Unterstützung der Eltern studiert sie Theologie, entdeckt im Vikariat ihre Liebe zur Gemeindearbeit, sieht sich als Von-der-Wiege-bis-zur-Bahre-Seelsorgerin. Ihre erste Anstellung führt sie in das als pietistische Siedlung gegründete Wilhelmsdorf.

„Ich bin keine Pietistin, aber einige Ansichten und Bestrebungen teile ich. Auch ich sehe die Bibel als Quelle des Glaubens, strebe danach, in eine persönliche Beziehung zum lebendigen Gott zu treten.“ Auf die Frage nach deren starker sozialer Ausrichtung lächelt sie nach einigen Momenten des Nachdenkens. „Es gibt einen recht bekannten Spruch über die Pietisten: ‚Der Weg vom Herzen zum Geldbeutel ist sehr kurz.‘ Und das ist gut so.“

Nach über 20 Jahren als Gemeindepfarrerin stellt sich Stocker-Schwarz einer neuen Herausforderung: Sie übernimmt die Leitung der Württembergischen Bibelgesellschaft. „Noch eine Position, auf der ich die erste Frau bin“, schmunzelt die dreifache Mutter lapidar und kann doch nicht verhehlen, wie sehr sie sich auch nach vier Jahren noch am richtigen Platz fühlt. Neben dem bibliorama als „Hauptaufgabe“ bereitet ihr besonders die Konzeption von Sonder- und Wanderausstellungen Freude.

„Derzeit stellen wir unter dem Namen ‚Wein und Bibel‘ eine Ausstellung zusammen, die zum Weinfest 2020 eröffnet und dann auf Reisen durch das Ländle gehen wird“, verrät die Naturfreundin, die selbst gerne reist, um landauf, landab Europas Natur- und Kulturschätze zu erkunden.

Etwaige Momente, in denen sie direkten Kontakt zur Gemeinde vermisst, gehen da schnell vorüber: „In der jetzigen Position stehe ich in regem Austausch mit einer Vielzahl unterschiedlichster Menschen. Auch das ist eine Art Gemeindearbeit, nur eben auf einer anderen Ebene.“