Die „Amelia Earhart Fellowship“-Preisträgerin meistert begeistert berufliche und private Herausforderungen.

 

 

Nur Langeweile erträgt Friederike Graf, die neue „Amelia Earhart Fellowship“-Preisträgerin, so überhaupt nicht. „Ich hätte nie gedacht, dass ich gewinne“, gesteht die gebürtige Freiburgerin und sieht den Preis, mit dem der internationale Frauenclubs Zonta Wissenschaftlerinnen aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt ehrt, zugleich als Chance für den Austausch unter Kolleginnen und als Ansporn, ihren Weg weiterzugehen. Dabei ist eine Bestätigung, dass Graf am richtigen Platz ist, kaum nötig, im Gegenteil: wenn die Doktorandin am Institut für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart von ihrer Arbeit am Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie (SOFIA), erzählt, spricht Begeisterung aus jedem Satz. „Ich arbeite an absolut spannenden Herausforderungen inmitten eines tollen Teams. Was will ich mehr?“, fragt sie und spart sich die Antwort. Durch Vorträge an Schulen hofft sie, vor allem dem weiblichen Nachwuchs ein Stück weit als Beispiel zu dienen, dass sich der Mut, zielstrebig eigene Berufswünsche zu verfolgen, lohnt. Notfalls auch gegen gesellschaftliche Vorurteile à la „Frauen und Technik“.

Was die eigene Berufswahl angeht, prägt ihre Kinder- und Jugendzeit die heute 30-Jährige in mehr als einer Hinsicht – vom Credo „Du kannst alles erreichen, was Du willst“, mit dem die Eltern ihre Pläne und Ideen unterstützen, bis zur gemeinsam ausgelebten Neugier auf fremde Länder. „Als ich zehn Jahre alt war, flog die Familie nach Florida in den Urlaub, wo wir den Kennedy Space Center Visitor Complex besuchten. Ich tauchte ein in eine ganz andere Welt und sagte zu meinen Eltern: „Wenn ich groß bin, will ich zur
Nasa.“ Zwanzig Jahre später ist sie zwar nicht direkt bei der Nasa, aber sehr nah dran, denn SOFIA wird vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Nasa betrieben.

Die fliegende Sternenwarte hat ein 2,7 m Teleskop an Bord, mit dem die Entstehung junger Sterne beobachtet und das Zentrum der Milchstraße untersucht wird, dessen Bildqualität aber empfindlich auf Bewegungen des Flugzeugs und aerodynamische Faktoren reagiert. Der Diplom-Ingenieurin obliegt es, neue Strategien zur Kompensation der Bildbewegungen zu entwickeln und bestehende Methoden zu optimieren.

Da das Projekt in Kalifornien angesiedelt ist, nennt Graf seit nunmehr zwei Jahren den Sunshine-State ihr Zuhause. Sie fühlt sich wohl im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und sieht auch ihre Zukunft dort, vielleicht in der Industrie oder als Mitarbeiterin in einem anderen wissenschaftlichen Projekt, idealerweise aber bei SOFIA, „denn welcher Arbeitsplatz ist schon reizvoller als einer zwischen Himmel und Erde?“ Sehnsucht nach Deutschland hat da keinen Platz, zumal ein Stück Heimat sie ohnehin immer begleitet: ihr Mann, der sich damals entschieden hat, ihr in die USA zu folgen.

Nur ein Wermutstropfen bleibt: „Wenn ich neben Familie und Freunden etwas vermisse, dann deutsches Brot und die badische Küche.“