Bei „Das Ding des Jahres“ stellt die Stuttgarterin ihre Erfindung „Nails2go“ vor, mit der sich French Nails zaubern lassen.

 

 

Was macht frau, wenn die Fingernägel so gar nicht aussehen, aber keine Zeit für eine Maniküre bleibt? Diese Frage hat sich auch Gözde Bilen gestellt: „Ich musste zu einer Hochzeit, war in Zeitnot und wünschte mir plötzlich eine einfache Alternative zur zeitaufwendigen Nagelpflege. Etwas, das frau in Sekunden fertig hat.“ Nachhaltig sollte die neue Methode sein, umweltschonend, tierversuchsfrei, antiallergen.

Ein Silikonlöffel führt sie schließlich auf den richtigen Weg – mit Schere, Messer und einem Sexspielzeug als Materiallieferant macht sich die zweifache Mutter am heimischen Küchentisch daran, den Prototyp zu kreieren. „Bei der Hochzeit bin ich mit ungemachten Nägeln erschienen. Das passiert mir nie wieder.“

Zweieinhalb Jahre wartet Bilen auf den geeigneten Zeitpunkt, ihre Erfindung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Schließlich bewirbt sie sich bei „Das Ding des Jahres“ und erhält prompt eine Einladung. „Natürlich war ich aufgeregt, aber es war weniger Lampenfieber, sondern das Glück, genau dort zu stehen, wo ich von Beginn an hinwollte.“

Obgleich ein Konkurrent den Sieg davonträgt, ist sie nicht enttäuscht. „Wir wurden gut versorgt, es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre“, so die Erfinderin und versichert, dass sie die Teil­nahme als rundherum angenehme Erfahrung in Erinnerung behalten wird, zumal sich der werbe­wirksame Effekt bereits bemerkbar mache.

Von Familie und Freunden hagelt es Lob und Anerkennung. Ein gutes Gefühl, zumal kaum jemand gedacht hätte, dass so viel Erfindergeist in ihr stecke, verrät Bilen und lacht. Sekunden später verschwindet das Lächeln wie weggewischt und macht einem kämpferisch-entschlossenen Ausdruck Platz. „Ich besitze weder ein Hochschulstudium noch einen akademischen Titel, habe einen ausländischen Namen, bin klein, zierlich und trage eine Zahnspange. Für viele Grund genug, mich zu unterschätzen.“

Derartige Diskriminierungen seien etwas, das ihr nach eigener Aussage vor allem bei geschäftlichen Zusammenkünften immer wieder die Laune verhagelt. „Ich bin weder blöd noch naiv und möchte auch nicht so eingeschätzt werden.“

Tatsächlich kennt die 29-Jährige ihre Ziele sehr genau und ist bereit, Zeit, Geld und Nerven zu investieren, um sie umzusetzen. „Die Idee zu ‚Nails2go‘ hätte ebenso gut in einer Schublade verschwinden können. Aber ich wollte meine Vision, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, das vielen Frauen das Leben erleichtern kann, unbedingt verwirk­lichen.“

Der Zuspruch macht Lust auf mehr und so nimmt längst eine neue Erfindung, dieses Mal für die Autobranche, in Bilens Kopf Gestalt an. Noch ist nichts spruchreif, beteuert sie, doch wenn es so weit ist könne sie sich gut vorstellen, dass Konzerne wie Daimler und Porsche In­teresse anmelden. „Vielleicht bekomme ich dann für ein Jahr einen Leihwagen. Das wäre schon toll“, unkt sie und lacht schon wieder.