Der Leiter des Stuttgarter Amts für Umweltschutz hat seine Überzeugungen zum Beruf gemacht.

 

 

"Mein Interesse galt schon immer den Naturwissenschaften. Das war auch der Grund, warum ich nach zwei Semestern Sport auf Lehramt zur Chemie gewechselt bin.“ Dr. Hans-Wolf Zirkwitz, der mit gepunktetem Hemd und abstrakt gemusterten Socken zum dunkelblauen Anzug modern und distinguiert zugleich wirkt, entscheidet sich, nach Studium und Promotion das eigene Interesse an Umweltschutz und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seiner Karriere zu stellen, und absolviert eine Fortbildung zum Umweltbetriebsprüfer sowie zum Beauftragten für Gewässerschutz, Immissionsschutz und Abfall – gänzlich entgegengesetzt zum Mainstream.

„Vor 40 Jahren hat niemand über Klimawandel geredet. Heute ist das Thema wegen der einschneidenden Konsequenzen brandaktuell.“ Die Entscheidung für Verwaltung und gegen die Industrie entpuppt sich schnell als richtiges Pferd – nach einem Zwischenstopp in Hamburg wechselt der bekennende Workaholic zur Stadt Heidelberg, wo er 2001 die Leitung des Amts für Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie übernimmt. Seit 2015 hat er die Leitung des Amts für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart inne.

„Zwar waren die Inhalte vergleichbar, aber die Bedeutung der Aufgaben, die Größe des Amts und die damit einhergehende Personalverantwortung waren eine Herausforderung. Zum Glück habe ich wirklich gute Leute im Amt.“ Ein besonderes Anliegen ist dem gebürtigen Baden-Württemberger die frühe Sensibilisierung der nächsten Generation für Nachhaltigkeit und Umwelt – ein Grund, warum er der „Fridays for Future“-Kampagne positiv gegenübersteht. „Der Mut und die Disziplin, mit der die Jugendlichen für ihre Zukunft kämpfen, sollte uns Erwachsenen Anspruch und Mahnung zugleich sein.“ Zirkwitz weiß: Obgleich die offenen Baustellen in den vergangenen Jahren besonders in Bereichen wie Stadtplanung, Klima- und Artenschutz geschrumpft sind, bleibt genug Raum für Verbesserungen.

„Persönlich wünsche ich mir manchmal, dass Veränderungen weniger Zeit bräuchten und Städte bei der Bewältigung anstehender Herausforderungen noch mehr Unterstützung vom Bund bekämen.“ Um es selbst anders zu machen, lege er Wert auf Konzepte, die ohne langen Vorlauf umgesetzt werden können. „Es ist mir ein Herzensanliegen, Verantwortung zu übernehmen, um ‚meine‘ Stadt voranzubringen.“ Derzeit beschäftigen die Bürger dieser Stadt vor allem die neuen Bußgelder für Müllsünden, die vom Amt für Umweltschutz verschickt werden.

Mit Blick auf die zunehmende Tendenz, den eigenen Abfall achtlos in der Umwelt zu entsorgen, machen die zum Teil als drakonisch und unverhältnismäßig verschrienen Maßnahmen für Zirkwitz durchaus Sinn. „Manchmal muss es wehtun, damit ein erzieherischer Effekt eintritt. Auch eine weggeworfene Kippe oder ein ausgespuckter Kaugummi – das ist nicht länger hinnehmbar.“ Allzu oft hat es allerdings noch nicht wehgetan: Bisher hat seine Behörde gerade mal acht Bußgeldbescheide in Bearbeitung.