„Jedes Lebewesen verdient unser Mitgefühl“, fordert der Vorsitzende von Peta Deutschland e. V.

 

 

Wird Harald Ullmann gefragt, welche Charaktereigenschaften ihn auszeichnen, steht Geduld ganz oben. Kein Wunder, gehört es doch zu seinem täglich Brot als Vorsitzender von Peta Deutschland, nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ um die Rechte von Tieren zu kämpfen.

„Es gibt keine Rechtfertigung, Lebewesen einzusperren, auszubeuten, zu quälen und zu verstümmeln. Ich sehe meine Aufgabe darin, die Öffentlichkeit über den Missbrauch zu informieren und Druck auf die  Verantwortlichen auszuüben.“
Dass er sein Leben dem Tierschutz widmen würde, hätte der in Linz geborene und in Mössingen aufgewachsene Ullmann früher nie gedacht.

Wie andere Teenager paukt er für das Abitur,  beginnt sein Englisch-  und Sportstudium, spielt nebenbei Fußball. Erst als er im Rahmen eines Austauschprogramms in den USA lebt, stellen sich die Weichen für seinen weiteren Werdegang neu.
Er, der vorher nie über Tierschutzaspekte nachgedacht hat, kommt in Kontakt mit einer Gruppe  Aktivisten, die ihn schnell überzeugen, dass auch Tiere ein Recht auf Leben, Achtung und Schutz haben.

Ullmann zieht die Konsequenzen, verzichtet zunächst auf den Verzehr von Fleisch, später auf jegliche tierischen Produkte, „da es ja pflanzliche Alternativen gibt, die in vielen Fällen sogar gesünder sind.“ Als ihm ein Job bei Peta USA angeboten wird, hängt der gebürtige Österreicher sein Lehramtsstudium an den Nagel, um sich fortan auch beruflich ganz dem Tierschutz zu widmen; zurück in Deutschland gründet er mit Gleichgesinnten Peta Deutschland e. V. „Seitdem konnten wir zahlreiche große und kleine Erfolge für Tiere erkämpfen, darunter das Importverbot von in der Wildnis gefangenen Elefanten für deutsche Zoos oder die Absetzung der tierquälerischen Weihnachtssendung ‚Stars in der Manege‘.“

Die tagtägliche Auseinandersetzung mit Brutalitäten jeder Art hat dennoch Spuren hinterlassen. Zwar versteht Ullmann seinen Kampf auch nach 33 Jahren eher als Berufung denn als Beruf, doch die Ignoranz, mit der die Politik Offensichtliches ignoriert, die häufigen Rückschläge, der permanent langatmige Kampf, der Industrie kleinste Veränderungen abzutrotzen, verlangen dem 63-Jährigen einiges ab.

Statt zu resignieren, münzt er die Frustration in Aktionismus um, doch manche Schicksale verfolgen ihn bis in den Schlaf. „Das kann der ‚Wachhund‘ sein, der sein Leben an der Kette fristet, oder das schreiende Kalb, das nach nur einem Tag von seiner Mutter fortgerissen wird.“

Die zunehmende Tendenz, tierische Produkte aus artgerechterer Haltung zu kaufen, ist ihm da nur eine schwache Beruhigung. „Für mich ist das moralisch wie ethisch keine Alternative, auch diese Tiere landen im Schlachthof.“

Seiner Ansicht nach werde in Zukunft ohnehin eine Wende hin zum Veganismus stattfinden, wenngleich weniger aus moralischen denn aus ökologischen Beweggründen. Ullmann zuckt die Schultern. „Solange das Tier nicht leidet, sind mir die Motive egal.“