Der Stuttgarter Filmkomponist Heiko Maile (Camouflage) gibt sein Hollywood-Debüt im Thriller „Killerman“.

 

 

Ende der 80er Jahre sorgte er mit seiner Band Camouflage für die Ohrwurm-Hits „The Great Commandment“ und „Love Is a Shield“. Die Zeiten von Depeche Mode aus Bietigheim-Bissingen, wie es lokalpatriotisch gerne hieß, sind längst vorbei. Der Stuttgarter Heiko Maile (53) ging musikalisch andere Wege, gehört mittlerweile zu den renommierten Filmkomponisten hierzulande.

Er schrieb die Musik für das viel gelobte Jugenddrama „Die Welle“ von Dennis Gansel, für den Kinohit „Türkisch für Anfänger“ von Bora Dagtekin sowie für die drei „Vorstadtkrokodile“ von Christian Ditter. Für „Winnetou –  Der Mythos lebt“ erhielt Maile 2017 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Musik.  Aktuell schreibt er für die deutsche Netflix-Serien­adaption von „Die Welle“ die Musik. Mit dem Thriller „Killerman“ gibt der 1966 in Australien geborene Schwabe seinen Hollywood-Einstand.

Von Sydney nach Stuttgart? Liegt daran, dass die Eltern für einige Zeit berufsbedingt nach Down Under gingen, wo der Künstler zur Welt kam. Das Heimweh zog die Familie bald zurück in die alte Heimat nach Schwäbisch Hall. Später zog man um nach Bietigheim-Bissingen, wo Heiko Maile aufwuchs und bis heute lebt. Eigentlich hatte er vor, Grafikdesigner zu werden, begann eine Lehre als Druckvorlagenhersteller. „Aber dann kam mir die Musik dazwischen“, erzählt er lachend.

Nach der großen Erfolgswelle von Camouflage folgte 2008 mit dem Soundtrack zum Jugenddrama „Die Welle“ der Einstieg ins Film­geschäft. Mehr als ein Dutzend Filme folgten, dreimal „Tatort“ inklusive. „Wir Komponisten haben eine Ausnahmestellung im Filmgeschäft, bei uns ist  es eigentlich egal, wo man die Musik schreibt“, relativiert der Stuttgarter seinen vermeintlichen Standortnachteil.

Für das Komponieren selbst genügen die eigenen vier Wände, für Aufnahmen mit großem Orchester reist Maile in die berühmten Studios von Babelsberg, die finale Mischung erledigt er bei Arri in München, der Premiumadresse der Branche. Wie kommt man auf Ideen für die Klänge? Beim entspannten Waldspaziergang oder lungernd im Café Sommer? „Mir fällt vieles durchaus auch nachts ein oder beim Kochen“, erklärt der Musiker. Aber meistens entstehe das Komponieren durch die Arbeit an sich, indem man bestimmte Klänge ausprobiere und herauskitzele.

„Ich beginne damit, mir einen gedanklichen Farbkasten zu basteln, um damit dann ein bisschen zu malen.“ Der Ruf von Hollywood ereilte ihn eher zufällig. Ein amerikanischer Freund und Kollege wollte schon immer einmal gemeinsame Sache mache. Der wiederum kannte den Regisseur Malik Bader ziemlich gut und so kam Maile an Bord des Thrillers „Killerman“, in dem der „Tribute von Panem“-Star Liam Hemsworth die Hauptrolle spielt.

Wird der Traum der Traumfabrik damit bald Job-Realität? „Ich muss da nicht hin!“, gibt sich der Künstler selbstbewusst. „Ich möchte ab und zu gern an spannenden Projekten arbeiten, die mich interessieren. Aber jetzt nur, damit ich dann dort bin? Mir hat dieses Projekt einfach Spaß gemacht, aber ich habe auch hier gute Jobs.“ Wäre nicht Landsmann Roland Emmerich ein Wunschkandidat für ihn? Er habe ihn privat schon kennengelernt und mag ihn gern: „Allerdings glaube ich nicht, dass ich der richtige Komponist wäre für seine Art von Kino –  ehrlich gesagt würde mich das auch gar nicht so besonders interessieren.“

Umso gespannter ist Maile auf die Reaktionen des Publikums auf seinen jüngsten Film. Am 8. August startet „Killerman“ hierzulande, noch vor dem US-Start. Der Komponist will sich im Stuttgarter Kino eine ganze Reihe reservieren, für Freunde und Familie. Vielleicht überrascht ihn das Lichtspielhaus ja im Vorprogramm mit dem alten Video-Clip von „The Great Commandment“.