Der 45-Jährige spielt an der Seite von Isabel Varell in der Komödie „Diese Nacht – oder nie!“ in der Komödie im Marquardt

 

 

Entspannt, charmant und jugendlich erscheint Heiko Ruprecht zum Interview im „Engelzimmer“ der Komödie im Marquardt. Mit seiner Brille und dem Dreitagebart hätte man ihn, den Hans Gruber, den Bruder vom „Bergdoktor“, draußen auf der Königstraße wahrscheinlich kaum erkannt. Dabei ist Heiko Ruprecht ein renommierter Theaterschauspieler, der nun auf der Bühne der Komödie im Marquardt in der Rolle des Valentin in Laurent Ruquiers „Diese Nacht oder nie!“ an der Seite von Isabel Varell tatsächlich – kaum zu fassen – seine allererste Komödie spielt. „Deshalb waren die Proben richtige Knochenarbeit. Aber das Risiko Komödie hat sich für mich gelohnt, es macht großen Spaß. Das Stück trifft den Nerv des Publikums. Die Leute scheinen nach dem Abend richtig glücklich zu sein“, so ein zufriedener Heiko Ruprecht.

Von 1993 bis 1996 absolvierte er eine Schauspielausbildung am Salzburger Mozarteum. Danach folgten etliche Theaterengagements in Ulm, München, Heidelberg, Essen, Karlsruhe, und und und. Erste Erfahrungen vor der Kamera machte Ruprecht ab 1997, u.a. spielte er in den Serien „Derrick“, „Der Alte“, „Samt und Seide“, „Forsthaus Falkenau“ und „Die Rosenheim-Cops“, dann seit 2008 „Der Bergdoktor“.

„Ich fühle mich sehr wohl in Stuttgart, verbinde mit der Stadt sehr viele Kindheitserinnerungen“, erzählt er. Seine Oma floh in den 50er Jahren aus Quedlinburg und landete in Stuttgart, genauer in der Beuthener Straße in Bad Cannstatt. Seine Lieblingstante Karin wohnt heute noch in Schorndorf.

Seine Mutter verbrachte vor ihrer Heirat in Stuttgart ihre Kindheit, Schul- und Studienzeit, bevor sie mit Heikos Vater nach Lindau zog, wo der Schauspieler auch aufwuchs. Trotzdem verbrachte er sehr viel Zeit bei seiner Oma in Bad Cannstatt. „Ich erinnere mich, dass ich als 10-jähriger Bub regelmäßig zum Trainingsplatz des VfB Stuttgart ans Neckarstadion gelaufen bin und dort mit den Autogrammen von Hansi Müller, Karl Allgöwer, den Förster-Brüdern und Jürgen Klinsmann mein Autogrammbuch gefüllt habe, auf das ich sehr stolz war“, so Ruprecht.

Die Wilhelma, der Kurpark, der Weg von Cannstatt über den Neckar in den Schlossgarten – diese Bilder sind Heiko Ruprecht noch im Kopf. „Stuttgart hat in Deutschland ja nicht den besten Ruf – völlig zu unrecht!“, findet er. Die Stuttgarter seien freundlich, er habe die Stadt in sein Herz geschlossen. Dagegen wirke München und die Münchner auf ihn manchmal fast schon ruppig, verrät er.

Umso schöner für ihn, dass es nun endlich mit einem Theaterengagement in Stuttgart geklappt hat, das ihn noch bis zum 14. Mai in der Landeshauptstadt hält. Hier hat er eine Theaterwohnung im Heusteigviertel bezogen. Und sonntags nach der 18-Uhr-Vorstellung geht’s bis Dienstag heim nach München zu seiner Frau und den zwei kleinen Töchtern.

„Familie steht bei mir an erster Stelle, aber ich mache auch gerne Sport, spiele Tennis, Fußball, laufe, fahre Ski und mache sehr gerne alle Arten von Bergsport“, erzählt Ruprecht.

Seit zehn Jahren spielt er beim „Bergdoktor“ mit, Ruprecht ist von Anfang an dabei. „Zwischen mir und Hans Sigl (dem Bergdoktor) stimmte von Anfang an die Chemie. „Wir hatten uns Jahre vorher in einer WG in Freiburg kennengelernt und beim Bergdoktor-Casting wieder getroffen“, erinnert er sich. Dass der „Bergdoktor“ solch ein solch Riesenerfolg werden würde, konnte damals noch keiner ahnen. Als Hans Gruber agiert er dort auch in vielen Bergrettungs-Szenen, deren Stunts er immer selber dreht.

Trotz der vielen erfolgreichen Fernsehrollen: „Das Theater ist mein Mutterschiff, es fühlt sich immer an, als ob ich nach Hause komme“, so Ruprecht. Am Theater faszinieren ihn der direkte und indirekte Austausch mit dem Publikum.

Zur Schauspielerei kam er übrigens durch eine Deutschlehrerin, die ihn zur Teilnahme am Vorlesewettbewerb animierte. Dabei merkt er, „dass ich das ganz gut kann, da habe ich Blut geleckt“. Beim Bundesentscheid in Frankfurthabe ich dann zum Beispiel aus „Karlsson vom Dach vorgelesen“, schmunzelt er. Exzessive Selbstvermarktung geht Heiko Ruprecht gegen den Strich: „Da bin ich bewusst vorgestrig, aber ich mag nicht permanent auf den sozialen Netzwerken kommunizieren“. Da möchte er lieber, dass die Leute in seine Theatervorstellungen kommen.

„Diese Nacht – oder nie!“ wird in der Komödie im Marquardt noch bis zum 14. Mai, dienstags bis samstags 20 Uhr, sonntags 18 Uhr gespielt, Karten 10 bis 22 Euro, Tickets unter Telefon 07 11/22 77 00.