„Ich wollte nie nur Friseur sein“: Chronakis führt den Barbiershop Jack the Ripper im Stuttgarter Osten.

 

 

Der Firmenname: Jack the Ripper. Klingt martialisch und bleibt im Ohr. Bei Barbier Ioannis Chronakis und seinem Barbierteam im Salon Jack the Ripper in der Hackstraße 3 ist ein Mann noch ein Mann: rockige Klänge aus der Anlage, Zigarren, Whiskey, das Interieur im Stil der 20er Jahre. Es riecht rauchig und nach Rasier­wasser – männlich! Wahrscheinlich würde sich eine Frau hier gar nicht wohlfühlen. Chronakis selbst – Jahrgang 1979 – trägt einen prachtvollen schwarzen Bart, aber perfekt gepflegt und getrimmt. Dazu Hemd, Jeans und Boots wie auch seine jungen Barbier­kollegen – männlich, cool, lässig, lifestylig wie die ganze Atmosphäre im Laden.

2015 hat sich Ioannis Chronakis seinen Traum erfüllt und seinen eigenen Barbiershop in Stuttgart eröffnet. Alles an der Innen­einrichtung hat er selbst gemacht, den Holzboden, die Backsteine. Die Antiquitäten hat er sich auf Flohmärkten, bei Antiquitätenhändlern oder in den Kellern seiner Stammkunden besorgt. „Am Anfang stand ich oft allein hier im Laden, keiner wollte sich rasieren lassen. Da habe ich wirklich gezweifelt“, gibt er zu. Dann vor drei bis vier Jahren: Plötzlich war der Bart wieder hipp, immer mehr junge Männer ließen sich einen Bart stehen. Bart war plötzlich Lifestyle, der Bedarf an Bartpflege stieg und wie über Nacht war Chronakis’ Barbiershop ein gefragter Ort.

Heute geht ohne vorherige Terminabsprache gar nichts. Selten kommt er um 19 Uhr, der offiziellen Ladenschlusszeit, aus seinem Shop heraus. Aus einem Barbierstuhl wurden mittlerweile fünf. Auch Tattoos waren anfangs mit im Portfolio, jetzt hat der Geschäftsmann aber die Tattoos ausgelagert und seinen Barbiershop erweitert. „Nebenher“ hat er auch noch einen Burger-Laden am Stöckach eröffnet. Chronakis hat den alten Kiosk mit einem Kumpel flottgemacht und brät jetzt quasi gegenüber von Jack the Ripper im Round House Burger für den Osten.

„Größer möchte ich mit meinem Barbiershop nicht werden, Franchising kommt für mich nicht infrage. Wir sind Barbiere, die wollen, dass die Leute zufrieden sind. Mir geht es gar nicht so sehr ums Geld, sondern um die Tradition, um das Handwerk des Barbiers“, erzählt Chronakis. Beim Bart macht ihm so schnell keiner was vor: „Hier kann man mehr falsch machen als mit den Haaren“, ist er überzeugt. Chronakis ist Vater einer Tochter und in Weilimdorf aufgewachsen, heute wohnt er in Feuerbach. Seine Eltern hatten in Weil­imdorf eine Gastronomie, in die er mit seinen drei Brüdern hineingewachsen ist.

Nach Realschulabschluss und Friseurausbildung lernte er Modedesign bei der Modeschule Brigitte Kehrer. „Ich wollte aber nie nur Friseur sein“, gibt er zu. Dann kam 2015 die Realisierung seines Barbiertraums, hinter dem eine Philosophie steckt, die ihm echt am Herzen liegt. „Früher war der Barbier auch Mediziner, Zahnarzt, hat Knochenbrüche und Wunden versorgt. Das Behandlungszelt galt als der hygienischste Ort in der Stadt“, erzählt er. Daher stammt auch das Barbiersymbol, die rot-weiße, sich drehende Laterne, die auch außen am Laden prangt – und übrigens auch als Tattoo, quasi als Zunftzeichen, auf seinem Hals. Das stammt daher, dass die Barbiere vor ihrem Zelt eine weiße Stange hatten, an der sie die nach den Behandlungen blutigen Laken aufhängten: rot-weiß, später kam die Farbe Blau hinzu. Der Barbiersalon hat sich zum Ort für Männer entwickelt, hier führte man Männergespräche, man rauchte, man trank zusammen.

„Da hatte eine Frau nichts zu suchen. Die Männer brachten ihre Söhne mit, damit sie einen guten Umgang lernten.“ In dieser Tradition sieht Ioannis Chronakis auch seinen Salon: „Wir machen es ganz traditionell. Und wir machen es nicht wegen der Kohle, sondern weil wir es lieben und leben, was wir hier machen. Für mich ist es eine Passion, nicht nur ein Job“, erzählt er mit leuchtenden Augen. Und langweilig wird es ihm nie, denn jeder Kunde sei neu, man rede über Frauen, Motorräder, Autos, Gott und die Welt.