Am 13. September kommt der Film des Regisseurs, „Mackie Messer – Brechts Dreigroschen-Film“, ins Kino.

 

 

„Ich will dieses große Werk der Weltliteratur vom Staub befreien und es in einen aktuellen Zusammenhang stellen.“ Joachim A. Lang ist SWR-Ressort-Leiter „Sonderprojekte, Musik und Theater“ und hat sich mit der Realisierung des Films „Mackie Messer – Brechts Dreigroschen-Film“ einen Traum erfüllt. Ab 13. September wird die Geschichte rund um Leben und Werk des beliebten, oft auch unbequemen Autors, die an gerade mal 35 Tagen gedreht worden ist, in den Kinos
zu sehen sein. Regisseur Lang wechselt dabei zwischen den Erzählebenen: Im Mittelpunkt steht Brechts populärstes Werk. Gleichzeitig bezieht der Regisseur aber ständig den Autor selbst mit ein, greift auf seine und Kurt Weills Zitate zurück und stellt einen Zeitabschnitt vor, in dem Brecht aus dem Musiktheater tatsächlich fast einen Film gemacht hätte, der letztendlich per Prozess an den Forderungen der Produzenten gescheitert war, vielleicht auch am Aufkommen und der Stärkung des Nationalsozialismus.

Joachim A. Lang entwirft um seine beiden Protagonisten eine Szenerie der Bettler, der Emporkömmlinge, der Ärmsten der Armen, die ihrerseits – wie es die „Dreigroschenoper“ zeigt – Hierarchien bildet. Begriffe wie „episches Theater“ oder „Verfremdung“ werden mit Leben gefüllt. Ganz konkret und frivol übernimmt Eric Gauthiers Ensemble Gau­thier Dance die Tanzszenen. Alle Schauspieler – von Lars Eidinger über Tobias Moretti, Joachim Król, Hannah Herzsprung bis zu Claudia Michelsen – singen. „Mir war immer klar, dass das Werk Brechts Bestand hat“, sagt Joachim Lang. Auch zum 120. Geburtstag des Dichters ist es „aktuell wie nie“: „Nehmen Sie die Flüchtlingskrise, die frappierende Kluft zwischen Arm und Reich weltweit, aber auch die Gefahr des aufkommenden Faschismus, das hat Brecht stets im Leben wie in seinen Werken angeprangert.“

Die politische Seite Brechts und seinen Protest fand Lang immer faszinierend. „Ich selbst gehöre ja jetzt nur zu den Nachfolgern der 68er-Generation“, meint Lang, der auch seine Doktorarbeit über Brecht geschrieben hat und das Brechtfestival in Augsburg sieben Jahre leitete. Eine wunderbare Kindheit habe er selbst rund um seinen Heimatort Spraitbach bei Schwäbisch Gmünd gehabt. „Aber natürlich hat sich der Unmut auch noch in den siebziger Jahren gegen Lehrer gewendet, die nach dem Nationalsozialismus wieder ins Klassenzimmer zurückgekehrt waren und lehrten – ohne ein Anzeichen von Reue.“ Auch in Kirchengemeinden seien überkommene Strukturen stark spürbar gewesen.

Eine neue Welt erschloss sich dem heute 58-Jährigen, auf den auch Ideen wie das Fernsehprojekt „Don Giovanni“ mit Moderator Harald Schmidt oder „Von Wundern und Superhelden – 55 Jahre Stuttgarter Ballett“ zurückgehen, als er an den Universitäten Heidelberg und Stuttgart Germanistik und Geschichte studierte. Seine Magisterarbeit? Brechts „Kriegsfibel“. Eine ganz andere Richtung musste das langjährige SDR- und SWR-Mitglied einschlagen, als die Senderechte des „Disney Club“ an RTL gingen und ein Nachfolge-Format erfunden werden sollte. „Mein Ressortleiter kam auf mich zu und sagte: Das ist momentan das wichtigste Projekt des SDR, Sie haben drei Kinder, Sie müssen das machen.“ Der „ Tigerenten Club“ war geboren, ein Dauerbrenner in der ARD. Doch Lang hat auch aus einer Sendung, die auf Unterhaltung ausgelegt ist, einen ernsten Hintergrund gezogen: Ein Porträt mit Janosch, dem Vater der Sendung und guten Bekannten der Familie Lang, entstand, „ein faszinierender Mensch, der eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung hatte.“

Um eine prominente und ebenfalls prekäre Vater-Sohn-Beziehung geht es in „George“, dem Film, in dem Götz George seinen Vater Heinrich spielt. „Götz hat lange gezögert, die für ihn so wichtige Rolle zu spielen. Er hat es grandios gemacht“ – der Film erhielt den Deutschen Fernsehpreis 2013 und die World Gold Medal beim New York Film Festival. Man wünscht „Mackie Messer“ genau diesen Erfolg. Lars Eidinger, Langs „Brecht“, „den ich unbedingt haben wollte“, hat auf dem Filmfest München bei der Vorab-Premiere nochmals einen wesentlichen Satz Brechts unterstrichen, der über dem Film stehen könnte: „Glotzt nicht so romantisch“ – und Nicht-Romantik mit Leben zu füllen, ist eine große Kunst.