Der 75-Jährige spielt noch bis zum 30. Juni in der Komödie „Wir sind die Neuen“ in der Komödie im Marquardt.

 

 

Tatsächlich, er ist es, Hans Beimer aus der „Lindenstraße“! Ist er natürlich nicht, es ist Joachim H. (steht für Hermann) Luger, der da zum Eiscafé im Café Le Théâtre direkt neben der Komödie im Marquardt erscheint: drahtig, fit, mit Dreitagebart, als ob er schon in seiner Alt- 68er-Rolle wäre. Denn Luger spielt noch bis zum 30. Juni in der Komödie „Wir sind die Neuen“ den Johannes.

Man sieht ihm seine 75 Lebensjahre nicht an, er würde locker für 60 durchgehen. Luger wurde am 2. Oktober 1943 in Thüringen geboren und wuchs in Berlin auf. nach der mittleren Reife absolvierte er eine Aus­bildung zum Chemielaboranten. Von 1966 bis 1969 besuchte er eine private Schauspielschule in Stuttgart, genauer in Ruit/Ostfildern.

„Das war bei einer Frau Schneider, die Schule gibt’s heute nicht mehr“, erinnert er sich. Seine erste bezahlte Premiere war am 2. Oktober 1966 – er erinnert sich so gut, weil es sein Geburtstag war – in einem Vaclav-Havel-Stück am Staatstheater in Stuttgart. „Ich hatte in Ruit eine Katze und brachte die immer mit ins Theater, weil sie im Stück gebraucht wurde. Die Katze hat mehr verdient als ich“, sagt er grinsend. Über Engagements am Grillo-Theater Essen sowie am Schauspielhaus Bochum kam er in den 70er Jahren nach Bochum, wo er bis heute mit seiner Frau lebt.

„Ich wohne die längste Zeit meines Lebens in Bochum, obwohl ich das nie wollte“, sagt er lachend und gibt zu, längst auch in Berlin ein kleines Domizil zu haben. „Die Sehnsucht war zu groß“, sagt er schmunzelnd. Seine Söhne sind längst erwachsen und arbeiten als Dokumentarfilmer und Freelancer. Bekannt wurde Luger in der Rolle des Sozialarbeiters und Hausmannes Hans Beimer (genannt Hansemann) in der Fernsehserie „Lindenstraße“. Luger war seit der Folge eins, die am 8. Dezember 1985 ausgestrahlt wurde, Mitglied des Ensembles. Die letzte Folge mit ihm war am 2. September 2018 zu sehen.

Hans Beimers Tod in freier Natur in den Armen seiner beiden Frauen Helga Beimer und Anna kann man sich immer noch in der Mediathek anschauen. Dabei hatte Luger schon im Mai 2017 die Entscheidung getroffen, aus der Serie auszusteigen. „Ich wollte nicht auf unabsehbare Zeit einen Parkinson-kranken Mann spielen müssen, das hat mich zunehmend belastet“, gibt er als Grund für seinen Ausstieg nach fast 33 Jahren „Lindenstraße“ an. Und nach dem „Lindenstraßen“-Ausstieg ging es für Luger gleich nahtlos weiter. Noch in der Nacht nach seiner Verabschiedung setzte er sich in den Zug nach Dresden zum nächsten Engagement. 1980 stand Luger das erste Mal vor der Kamera. Auch in Episoden bekannter Fernsehserien wie „Unser Lehrer Doktor Specht“, „Liebling Kreuzberg“ oder im „Tatort“ war er zu sehen.

Neben seiner Fernseh­tätigkeit arbeitet Luger vornehmlich als Bühnenschauspieler an verschiedenen Theatern des Ruhrgebiets. Über ein Jahrzehnt lang gestaltete er gemeinsam mit seiner – schwäbischen – Kollegin Petra Afonin musikalisch-literarische Revuen am Bochumer Prinz-Regent-Theater. Über mehrere Jahre präsentierte er im WDR die Kochsendung „Lecker essen mit Luger“, in der er sich in die heimischen Küchen von Hobbyköchen und -köchinnen einlud, die ihre Lieblingsrezepte vorstellten. „Ich habe immer mitgekocht und vom Arbeiterhäuschen bis zur Millionärsvilla alles gesehen. Das war sehr interessant, vor allem habe ich Zwiebeln schneiden gelernt“, erinnert er sich mit einem Grinsen.

„Ich bin ja jetzt schon zehn Jahre über das Renten­eintrittsalter hinaus, umso mehr genieße ich, dass ich jetzt das machen kann, wozu ich Lust habe“, sagt er. „Ich konnte lange den Komiker in mir nicht zeigen. Umso mehr macht es mir Spaß, jetzt wieder Komödien zu spielen.“ Er genießt es auch, wieder den direkten Kontakt zum Publikum zu haben, den es in der „Lindenstraße“ ja nicht gab. „Solange Körper und Kopf mitmachen, spiele ich auch Theater“, kündigt er an. Während seines Gastspiels in Stuttgart ist Joachim Luger in einer schönen Wohnung auf der Gänsheide untergebracht.

„Meine Frau besucht mich hier, wir haben uns ein Monatsticket gekauft und erarbeiten uns nun Stuttgart. Wir waren schon im Rosensteinpark, beim Teehaus und in der Innenstadt und haben noch viel vor. Wir wollen uns noch die Museen vornehmen“, verrät er. „Ich bin ein neugieriger Mensch im Sinne von Lust auf Neues. Schauen wir, was jetzt noch kommt, den Mut dazu habe ich allemal. Ich habe alle meine Engagements immer freiwillig abgebrochen oder beendet. Wenn Sie so wollen, bin ich ein positiver Fatalist.“

Die Komödie im Marquardt spielt noch bis zum 30. Juni 2019 die Komödie „Wir sind die Neuen“ mit Joachim H. Luger als Johannes. Tickets gibt es unter Telefon 07 11 / 22 77 00.