Mit ihren Krimis schlägt die Kinder- und Jugendbuchautorin selbst Lesemuffel in ihren Bann.

 

 

Karl Kessel ist smart, spleenig, skurril; ein Computernerd, ein mit allen Wassern gewaschener Detektiv, der schon so manch riskantes Abenteuer zu bestehen hatte. Und er ist von vorne bis hinten eine Ausgeburt der reichlich sprudelnden Fantasie seiner Urheberin. „Ich bin mit Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und dem Kleinen Vampir aufgewachsen“, erzählt Johanna Trommer. „Später habe ich alles verschlungen, was spannend war, aber mein Faible für das Krimi-Genre entdeckte ich erst vor etwa fünf Jahren.“

Mit der Begeisterung für schaurig-spannende Morde wächst der Wunsch, sich selbst an einem Krimi zu versuchen – nicht an irgendeinem, sondern einem, der in ihrer Heimatstadt spielt; einem für junge Menschen, denn ihnen fühlt sich die 37-Jährige verpflichtet. „Mit meinen Büchern möchte ich in Kindern und Jugendlichen die Begeisterung für das Lesen wecken. Das klappt vor allem bei Jungen recht gut, weil die Figur Karl Kessel ein großes Identifikationspotenzial hat.“ Ein Buch für Erwachsene sei dennoch nicht ausgeschlossen, schließlich treffe sie gerne spontane Entscheidungen, die neue Herausforderungen mit sich brächten.

Eine solche unerwartete Wendung zieht auch Trommers Erstling nach sich, der noch während ihres Designstudiums herauskommt. „Als ich ,Letterland‘ zu Papier brachte, habe ich eine Leidenschaft für das Schreiben entwickelt, wie ich sie für Design nie empfunden habe. Ich wusste, hier liegt meine Zukunft. Mir war aber auch klar, dass nur wenige Schriftsteller von ihrer Arbeit leben können, also brauchte ich einen Job.“ Der Zufall will es, dass zur gleichen Zeit die Stuttgarter Zeitung freie Mitarbeiter sucht. Sie arbeitet zunächst für das Stuttgarter Wochenblatt, wechselt später zur Lokalredaktion der Stuttgarter Nachrichten. Heute verdient sie ihre Brötchen als Freiberuflerin überwiegend im Bereich Marketing und Unternehmenskommunikation. „Ich kann mir die Arbeit weitgehend selbst einteilen, so dass genug Zeit für das Schreiben bleibt. Das ist mir sehr wichtig.“

Die Anforderungen, die Trommer an ihre Bücher stellt, sind hoch. Neben Humor und Spannung – Letzteres bei Krimis natürlich ein Muss – legt sie Wert auf eine korrekte Sprache, bei der weder Genitive noch Nebensätze fehlen dürfen. „Auch das ein oder andere Fremdwort ist okay. Wenn die Kinder es nicht kennen, fragen sie entweder nach oder lesen darüber hinweg. Aber wenigstens haben sie es schon mal gehört.“ Der fortschreitende Sprachverfall auf Minimalvokabular, die Tendenz, Verballhornungen ebenso akzeptabel zu finden wie Pidgin-Anglizismen, stößt der Mutter eines vierjährigen Sohnes und ehrenamtlichen Lesepatin seit Langem auf. „Natürlich lässt sich eine gepflegte Ausdrucksweise, mit der sich Kinder und Jugendliche trotzdem identifizieren, schwer realisieren. Aber wenn ich damit zur Wertschätzung unserer Sprache beitragen kann, hat sich’s gelohnt.“