Zielstrebig setzt die Finanzmanagerin ihren Lebenstraum von einer Ranch in Montana um.

 

 

„Ich glaube, manchmal sind verborgene Kräfte am Werk, die einen in die richtige Richtung schieben.“ Nachdenklich streicht sich Behringer die schwarzen Haare zurück, während sie aus ihrem Leben erzählt: vom Wirtschaftsstudium, weil „mir ein Studienberater das empfahl“, von ihrer Karriere bei einem führenden Automobilkonzern, von der Einsamkeit eines Lebens aus Koffern, auch wenn diese von Gucci sind.

Kaum noch erinnert sie sich des Glücks, als Kind die Welt hoch zu Ross zu erobern, und an die Sehnsucht, die der Wilde Westen in ihr auslöst. „Aus Angst vor Armut habe ich mich für die falsche Profession entschieden. Das hat mir all die Jahre ganz schön zu schaffen gemacht“, bilanziert die heute 43-Jährige. Am Ende beschließt sie, die Reißleine zu ziehen, bevor das Hamsterrad sie überrollt. „Nach dem Motto ‚Back to the roots‘ schloss ich mich einer berittenen Expedition durch die Rocky Mountains an. Im Anschluss habe ich mich einige Monate als Gastarbeiterin auf einer Ranch verdingt.“ Die Rechnung geht auf, gestärkt und mit gänzlich neuen Vorstellungen kehrt Behringer nach Deutschland zurück. Ihr Ziel: Auswandern.

Doch so einfach ist es nicht, ein Leben komplett umzukrempeln. Es gilt, die Voraussetzungen zu schaffen, privat, beruflich, finanziell, und selbst dann kann einem jederzeit etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen. „Wir saßen schon auf gepackten Koffern, aber nach der letzten Präsidentenwahl schien es sinnvoller, erst einmal abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.“ Die Pferdenärrin nutzt die Zeit, sich nach einem geeigneten Anwesen mit Weideland umzuschauen, denn ihr schwebt ein ehrgeiziges Konzept vor: eine „Guest-Ranch“, wo Besucher den Cowboy-Alltag live erleben können.

Ein verträumter Ausdruck schleicht sich in ihre Augen. „Die intensive Arbeit von und mit Pferden in unbeschreiblich schöner Natur ist nämlich ein Erlebnis, das jeden Einzelnen auf ganz persönliche Weise berührt und formt.“ Dann lacht sie. „Als Zugeständnis an meine Fähigkeiten denke ich aber eher an Quarter Horses als an Rinder.“ Trotz aktueller politischer Entwicklungen zweifelt Behringer nicht an ihrer Entscheidung für die USA, aber sie geht ihren Weg weder blind noch blauäugig.

„Amerika ist in vielerlei Hinsicht ein Land der Extreme. Im Silikon Valley hat die Zukunft längst begonnen, in Montana leben die Menschen wie vor 200 Jahren. Sie sind warmherzig und offen, gleichzeitig stellt mangelnde Bildung gepaart mit Xenophobie und Bigotterie eine gefährliche Mischung dar.“ Besonders ihr Mann, ein waschechter Texaner, fürchte, dass sie, die internationales Parkett gewöhnt ist, in ihren Mußestunden Opern singt und durch und durch liberal denkt, in der Wahlheimat nicht heimisch werden könnte. Behringer zuckt die Schultern. „Ich bin mir der Herausforderung bewusst, aber glaube fest daran, dass mein Plan am Ende aufgeht.“

Tipp: Ihre Abenteuer im Wilden Westen erzählt die gebürtige Schwäbin in ihrem Buch „Barbecue mit Indianern“, Bastei Lübbe Verlag.

Für alle Wild-West-Fans: Am Freitag, 26. April, 18 Uhr, steigt im Gewölbekeller der Brauerei Dinkelacker ein Wild-West-Leseevent mit reichlich charmanten Abenteuererzählungen, ein bisschen Comedy, Wild-West-Musik, kleinem Museum auf Rädern und natürlich amerikanischem Dinner à la Carte.